Wildpferde und Sonnenuntergänge

12. - 21. April 2023

Nach unserem atemberaubenden Übernachtungsplatz (siehe letztes Video, letzte Szene) war für uns nun die Herausforderung, einen „würdigen Nachfolger“ zu finden auf unserer Weiterreise. Wir wollten nämlich weiter Richtung Split…

…nach etlichen „Fehlversuchen“ war es bereits am Eindunkeln, als wir auf unseren potenziellen Schlafplatz in einer Bucht zufuhren. Dort stand jedoch bereits ein „normales“ Auto mit einer österreichischen Nummer. Wir stiegen aus und fragten bei den vier Personen, ob sie etwas dagegen hätten, wenn wir die Nacht auch an diesem Platz verbringen würden. Dies war jedoch kein Problem – im Gegenteil. Zwei von ihnen sind sofort zu uns gekommen und haben sich vorgestellt: Nice und Luca. Wir zeigten ihnen unseren Van und sie fragten uns, ob wir nicht mit ihnen zu Abend essen wollten.

Drei von ihnen waren professionelle Tänzer, welche an der Universität in Salzburg studierten und der vierte war Saxofonist, welcher in einem Spital als Clown arbeitet. Nach interessanten und lustigen Gesprächen tauschten wir auch unsere „Flachmänner“ (danke Andrea und André für den ausgezeichneten Schnaps) aus.

Am nächsten Tag reisten die vier bereits früh morgens los, um ihrem sportlichen Programm gerecht zu werden und wir erkundigten nach unserem Kaffee die Bucht. Sie war grundsätzlich wunderschön… aber eben nur grundsätzlich, denn alles war einmal mehr voller Müll. Ob vom Meer angespült oder von Menschen dort hingebracht – einfach nur schade.

Unsere Reise ging nun weiter nach Split. Da wir unsere Kleider waschen, Duschen und Wlan-Zugang benötigten, war für uns klar, dass wir auf einen Campingplatz müssen. So konnten wir Gregy auch ohne schlechtes Gewissen stehen lassen und die Stadt beruhigt besichtigen. Den Abend verbrachten wir in einem Restaurant mit exzellenter Livemusik. Dorian kannte Split bereits von einem Segeltörn vor rund 10 Jahren und hatte nicht zu viel versprochen. All die kleinen Bars, Restaurants und „Lädeli“ hatten extrem viel Charme – klar ist jedoch, dass auch diese Stadt den Touristen zum Opfer fiel. Ausserdem war die Stadt unglaublich sauber.

Die letzte Nacht in Kroatien verbrachten wir auf einer Anhöhe mit Blick auf das Meer. Auf dem Weg dahin, war in vielen Dörfern zu sehen, dass nebst den atemberaubenden Buchten die Vorbereitungen für die Touristen in den kommenden Monaten im vollen Gange sind (gefühlt in jedem Garten stand ein Betonmischer). Wir haben eine Wanderung auf einen Aussichtspunkt unternommen, welcher mit einer wunderschönen Aussicht belohnt wurde.

Weiter ging’s mit „Vollgas“ über die Grenze nach Bosnien Herzegowina. 🙂 Der Grenzwächterin (in ihrem getönten „Aquarium“) auf der kroatischen Seite fehlte es dann doch an der gewissen Prise Gelassenheit – hier hätte sie sich ein Beispiel an der Border-Cat nehmen können.. (wir haben sie schlichtweg nicht gesehen hinter der Scheibe und dachten „niemand da – weiter gehts“).

In Bosnien Herzegowina wollten wir nach Livno, da es von dort aus eine Offroad-Route in die Berge gibt, wo angeblich wilde Pferde leben. In Livno haben wir noch einmal getankt und unsere Vorräte aufgefüllt. Nach einer rund einstünden Auffahrt, hatten wir die Hochebene erreicht (hier wurden wir zweimal von einem viel zu jungen Fiat-Panda-Fahrer mit halsbrecherischer Geschwindigkeit überholt). Wie erhofft, haben wir dort eine Herde wilder Pferde angetroffen – ein einmaliges Erlebnis in einer wunderschönen Natur.

Nebst den Pferden, konnten wir auch unsere Offroad-Fähigkeiten erweitern. Bereits am darauffolgenden Tag stellte sich heraus, dass dies nur „Nasenwasser“ war. Belächelten wir doch noch gewisse Kommentare in der Park4Night App, betreffend 4×4 und dass die Äste zu tief hängen würden – unsere Schadenfreude, wurde jedoch beim „Abstieg“ schnell bestraft. Denn dieser gestaltete sich sehr technisch und fügte Gregy ein paar Kampfspuren zu. Umkehren war keine Option (kein Platz – geschweige denn ein Wendeplatz, zu steil und überall mit Warnschildern „Mine“ ausgeschildert war). Die tatsächlichen Herausforderungen können im nachstehenden Video leider nicht im Ansatz wiedergegeben werden. Gregy hielt jedoch allen Strapazen anstandslos Stand und hat uns nicht enttäuscht. 

Nach einer längeren Fahrt in Richtung Nord-Westen sind wir, nach dem wir feststellen mussten, dass Hauptstrassen hier durchaus „schlechtere Wald- und Schotterwege“ sein können, in Bihac angekommen. Auf dem Weg zu einem potenziellen Schlafplatz ist uns ein rotes Auto mit österreichischem Kennzeichen entgegengekommen. Verstanden haben wir zwar nicht viel (da die Person kein Deutsch sprach) – ausser, dass er uns einen Schlafplatz zeigen möchte. Somit sind wir dem freundlichen Mann einige Kilometer durch das Dorf gefolgt. Angekommen am Fluss Kloklot sollten wir aussteigen und zu Fuss weiter, da es sehr viel geregnet hatte und der Boden sehr sumpfig war. Nicht ohne Gregy, war jedoch die Devise. Deshalb haben wir ein paar Bar aus den Vorderreifen gelassen, unseren Allrad zugeschaltet und sind mit Untersetzung weitergefahren – und dies ohne grosse Spuren zu hinterlassen. Der „Österreicher“ konnte kaum glauben, dass wir bis zu diesem Platz ohne grosse Probleme fahren konnten. Belohnt wurden wir mit einem schönen Schlafplatz direkt am Fluss, mit einem Holzhäuschen, wo wir am nächsten Tag eine warme Dusche genossen. Da das Wetter jedoch nach wie vor schlecht blieb, haben wir uns am nächsten Tag entschieden wieder in Richtung Osten zu fahren, wo wir dann den Abend auf einem ruhigen Parkplatz im Nebel verbrachten.

Da wir in Bosnien bisher weder Touristen noch Attraktionen gesehen haben, wollten wir dies am nächsten Tag ändern – das Wetter war ausserdem immer noch nicht besser, weshalb wir einige Kilometer weiter östlich fuhren. Wir sind nach Zavidovici gefahren, da dort die weltweit grösste Steinkugel entdeckt wurde (14.14m³ und 3,32t). Vor Ort erwartete uns ein altes Holzbrett, auf welchem mit einer Spraydose (sehr schlecht sichtbar) auf einen „bezahlten privat Platz“ hingewiesen wurde. Vorgefunden haben wir jedoch weder eine Kasse noch Menschen, sondern lediglich einen unaufgeräumten Platz mit viel Müll und unappetitlichen Baracken, welche wohl im Sommer als Essensstände dienen sollten. Der Weg zum Stein führte über eine morsche Brücke, bei welcher Dorian fast herunter fiel.

In Bosnien regnete es bereits mehrere Wochen, was zur Folge hatte, dass die Flüsse sehr hoch waren. Unsere Weiterfahrt entlang der Bosna Richtung Sarajevo zeigte ein Bild der „Verwüstung“. Kurz: wir mussten lernen, dass es in Bosnien wohl keine funktionierende Abfallentsorgung gibt.

Mit einem flauen und schockierten Gefühl aufgrund dieser Eindrücke fuhren wir durch Sarajevo. Trotz des besseren Wetters war es sehr dunstig. Aufgrund des unerträglichen Gestankes merkten wir, dass hier der Müll grössten Teils direkt im Garten oder in den Cheminées in den eigenen Wohnungen verbrannt wird. Der Gestank, der Rauch sowie eine fehlende gemütliche Übernachtungsmöglichkeit bewogen uns noch am selben Abend weiter nach Mostar zu fahren.

Bereits bei Dunkelheit trafen wir an unserem Schlafplatz oberhalb von Mostar ein. Wir und ein anderer Camper verbrachten eine ruhige Nacht dort.

Die Stadt selber haben wir am nächsten Tag besucht und einen sehr positiven Eindruck erhalten. Dies, obwohl wir das erste Mal das Gefühl von Tourismus hatten. Die Menschen waren (wie in ganz Bosnien) sehr freundlich und das Essen war super lecker.

Während dem Tanken (wo uns ein Mitarbeiter der Tankstelle mehrmals auf Gregy ansprach – er liebte ihn), Autowaschen und Wasser auffüllen haben wir zwei Schweizer Armeeangehörige getroffen, welche uns noch einige Tipps für den Süden Bosniens gaben. Auch sie teilten uns noch einmal mit, dass im ganzen Land betreffend Mienen Vorsicht geboten ist, was wir ja bereits am ersten Tag feststellten. Was für uns hingegen neu war, war die Information, dass sich viele Mienen auf Mülldeponien befinden würden, da die Menschen sich wohl nicht getrauen allfällige Minenfunde bei der Regierung zu melden.

Nach einer erneuten Übernachtung am gleichen Schlafplatz (und einem fantastischen Sonnenuntergang) besuchten wir am nächsten Tag ein empfohlenes Restaurant (Urban taste of Orient), die Blagaj Quellen sowie die Wasserfälle in Ljubuski.

Unsere Reise ging weiter nach Dubrovnik wo wir oberhalb der Stadt einmal mehr einen wunderschönen Platz gefunden haben. In dieser Stadt wurden sowohl Game of Thrones als auch Star Wars gedreht. Nach mehreren fehlgeschlagenen versuchen in der Altstadt einen Parkplatz (ausser einer, welcher pro h/30 EUR kosten würde) zu finden und der Tatsache, dass es sich um eine absolute Touristenstadt zu handeln schien, entschieden wir uns weiterzufahren. Was wir jedoch von Dubrovnik gesehen hatten, war eine sehr schöne Altstadt.

Fazit der zweiten Etappe:

Die Freundlichkeit der Menschen in Bosnien hat uns sehr beeindruckt. Alle, die wir getroffen haben, waren sehr freundlich und hilfsbereit – in Kroatien haben wir diese Erfahrung weniger gemacht.

Der Müll an den Strassenrändern (egal ob Bosnien Herzegowina oder Kroatien) ist bereits jetzt schon immens und gibt uns täglich mehrmals zu denken. Wir versuchen während unserer Reise so gut wie möglich auf unnötigen Müll zu verzichten. Dies, indem wir kein Trinkwasser kaufen müssen (siehe Blogbeitrag zu unserem Wassersystem) oder unsere Abfallsäcke nicht aus Plastik, sondern unsere kompostierbaren Abfallbeutel verwenden. Dennoch scheint es wie Sisyphus-Arbeit, wenn wir jeweils unsere Schlafplätze von Müll befreien, wenn wir dort übernachten – denn am Ende wird er wohl sowieso wieder in der Natur entsorgt.

Einen krassen Kontrast dazu erlebten wir immer wieder die Touristen-Hotspots, wo man zum Teil fast vom Boden hätte essen können, da alles so sauber war.

Ständig begleitet uns die Frage, was wir dagegen tun könnten oder was geändert werden müsste. Abfallverbrennungsanlagen sind für diese Länder wohl zu wenig lukrativ. Unserer Ansicht nach setzt the Ocean Clean up Project direkt am richtigen Ort an und reinigt (nicht wie am Anfang des Projekts) die Flüsse zuerst und erst dann die Meere. Ausserdem sind Firmen, welche auf biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien setzen, hier wohl auf dem richtigen Weg. Müll, der nach wie vor in der Natur landet, baut sich somit wenigstens irgendeinmal wieder selber ab.