Raki 2 Raki

28. April - 10. Mai 2023

Bereits wenige Minuten nach dem Grenzübertritt stellten wir fest, dass uns Albanien viel besser gefällt – ein netter Hirte am Strassenrand winkte uns freundlich zu. Und um es gleich vorwegzunehmen: Die Albaner waren uns gegenüber alle extrem gastfreundlich und herzlich! Aber mehr dazu später im Blogbeitrag. Die Natur jedenfalls hat sich vom „Flachland“ Kosovo zu einer idyllischen Berglandschaft, innert wenigen Kilometern, gewandelt. An wunderschönen Schlafplätzen mangelt es hier nicht. 

Nach einer Übernachtung am Meer, fuhren wir weiter Richtung Tirana, wo wir oberhalb des Bovilla Sees einen schönen 4×4-Schlafplatz mit Aussicht über den Stausee fanden. Mit uns auf der doch sehr holprigen und mit sehr tiefen Schlaglöcher versehenen Strasse haben sich diverse ältere C-Klasse Mercedes AMG die Strasse hinauf gequält. Dabei vielen sie weniger durch den schönen V8-Sound, sondern viel mehr durch das Kratzgeräusch der Steine am Unterboden des Fahrzeuges auf. Oben angekommen, lernten wir Caro und Jansen aus Deutschland kennen – welche uns nach einem Bier und einem netten Gespräch „ihren doch sehr schönen Platz“ überliessen. Sie waren mit ihrem VW Bus unterwegs und wollten noch am selben Abend weiterfahren.

Mit uns am Platz waren an diesem Tag/Abend viele Einheimische, welche grillierten, tanzten und Schnaps tranken. 

Schnell lernten wir, dass Raki wohl der „Nationalschnaps“ von Albanien ist. Er wird aus Weintrauben hergestellt, aber anders als beim Grappa, werden diese vorher getrocknet (Weinbeeren). Bereits nach kurzer Zeit, hatten wir das Vergnügen ihn zu probieren. Dabei beobachteten wir aber auch diverse Male, dass der Plastikbecher, aus welchem der Schnaps getrunken wurde, nach jedem leeren Becher direkt in der Natur entsorgt wird. Ja, ein Abfallproblem hat Albanien auch. Aber im Vergleich zu Bosnien und Serbien, resp. dem unserem Eindruck nach noch viel schlimmeren Kosovo, waren wir direkt positiv überrascht. Mehrmals haben wir auch gesehen, dass der Abfall nach dem Picknick im Freien in einer Tüte gesammelt, eingepackt und mitgenommen wird. Die Meinungen und Möglichkeiten, wie Abfall entsorgt werden sollte, geht somit auch in Albanien sehr auseinander. 

Der 1. Mai ist in Albanien ein Feiertag, weshalb nach einer ruhigen Nacht bereits früh morgens wieder die ersten Einheimischen am Platz ankamen und Raki tranken. Mit uns hat ein zweites Büssli oberhalb von uns übernachtet. Als wir unseren Kaffee tranken, hörten wir, wie ihnen der erste Raki um 09.00 Uhr angeboten wurde. Etwas verwirrt nahmen sie diesen an und boten ihrerseits etwas zu Essen. Dabei hat ihnen der nette Herr jedoch erklärt, dass sie zum Raki trinken hochgefahren seien und nichts essen wollen…

… wir schmunzelten vor uns hin, während dem wir alles vorbereiteten für die Weiterfahrt. Bei unserem „Plan“ hatten wir jedoch nicht mit Eva (Rettungssanitäterin) und Jean Louis (Berufsfeuerwehrmann) – unseren Büssli-Nachbarn aus Genf – gerechnet. Nachdem Eva bei einem kurzen Small Talk (in einem Mix aus französisch, englisch und deutsch), das Eis gebrochen hatte, spielten wir mit den beiden Karten, tranken Bier und Wein, während dem wir den bereits sturzbetrunkenen, einheimischen Ranki-Trinkern beim sich Übergeben, Anpöbeln und Wegfahren zu sahen. Um es in den Worten von Jean Louis zusammenzufassen: «touch and go» (Flugzeugmanöver, wo kurz die Landebahn berührt und direkt wieder abgehoben wird). Sie waren nämlich mit zwei Autos da und sind beim Verlassen des Platzes mehrmals ineinander gefahren.

Wir entschieden uns recht schnell noch eine Nacht zu bleiben – was auch einmal guttat, da wir bisher stets unterwegs waren. Ein durchwegs perfekter Tag bei strahlendem Sonnenschein.

Wir wollten weiter in die Stadt der 1000 Fenster (Berat). Auf dem Weg dahin, fanden wir in einem kleinen abgelegenen Dorf einen wunderschönen Stellplatz am See, welcher vom WWF hergerichtet wurde. 

In Berat gingen wir das zweite Mal auf unserer Reise auf einen Campingplatz. Grund dafür war, dass unsere ehemaligen Nachbarn (Urs und Ursula), welche nun seit einem Jahr auf Reisen sind, dort einen Zwischenstopp gemacht hatten. Dabei konnten sie uns diverse „must see“-Tipps für unsere Weiterreise geben. 

Auf demselben Campingplatz lernten wir ausserdem Markus und Claudia kennen, welche mit ihrem VW Syncro (T3) unterwegs waren und genau so ungern auf Campingplätze sind wie wir. Die beiden wollten eine Offroad-Tour durch die nahegelegenen Gebirge machen und fragten uns, ob wir sie nicht begleiten möchten. 

 

Es folgten drei unvergesslich schöne Tage abseits geteerter Strassen, einer unfassbar schönen Naturkulisse als Hauptdarsteller, mit vielen Abenteuern, tollen und lehrreichen Gesprächen und einzigartigen Bekanntschaften mit den „Bergbewohnern“ sowie kulinarischen Spezialitäten, die wir bisher nicht kannten. Wir wurden mehrere Male zum Kaffeetrinken eingeladen, wobei ein Raki nie fehlen durfte (wie der Blogtitel bereits sagt: von Raki zu Raki). Ausserdem bekamen wir bei Abellah und Tefta (siehe Foto zu Sechst) eine Flasche Rotwein geschenkt (der Wein war in einer PET Flasche abgefüllt) – welchen wir noch am selben Abend mit unseren neuen Reisefreunden genossen. Ramona nannte dies humorvoll: „Schnapswanderung auf vier Rädern“!

So fröhlich war auch die Stimmung unter uns Vieren. Claudia war für die Wissensvermittlung und Wegführung zuständig und Markus, der erfahrene Offroader, welcher die Tour organisierte sowie die Bekanntschaften mit den Locals knüpfte. Und wir hatten das Vergnügen, einfach „Passagier“ sein zu dürfen. Vielen Dank für die bereichernden Tage, welche wir niemals missen möchten. Wir hoffen, dass wir irgendwann mal wieder eine Tour mit den Beiden machen können.

Unsere Reise ging weiter nach Nordmazedonien, genauer genommen nach Struga. Grund dafür war, dass Admira (eine Arbeitskollegin von Ramona) mit ihrem Mann Edi uns ihrer Schwägerin Elsa in ihrer alten Heimat die Familie von Edi besuchten. Bevor es jedoch zu unserem Treffen kam, erwartete uns ein Grenzübertritt, der Kategorie „mühsam“ auf uns. Die albanischen Zollbeamten winkten uns freundlich aus der Reihe und baten uns auf Englisch in einer extrem heruntergekommenen Garage (die SUVA hätte hier die Betriebserlaubnis sofort entzogen) Gregy und uns prüfen zu lassen. Uns erwartete ein fies bellender Schäferhund, welcher an einer verrosteten Kette befestigt war. Nachdem er mit uns auf Englisch besprochen hatte, dass er das Auto prüfen wollte, erklärte er seinem Kollegen, dass wir aus der Schweiz kommen würden und wollte von uns wissen, ob wir Kokain, Gras oder andere Drogen konsumieren und mitführen würden. Nach einer kurzen Überlegung, ob hier jeder, der Kokain oder andere Drogen konsumiert, bei einer solchen Frage mit „ja“ antworten würde, haben wir uns entschieden, die Frage zu verneinen. Von da an war der Spass vorbei. Der Beamte konnte plötzlich kein Englisch mehr, sass in unser „Wohnzimmer“, öffnete die Schränke und fand ein grösseres Messer. Er zeigte seine Hand und legte das Messer darauf, um uns „zu erklären“, dass dieses zu gross sei, weil die Klinge länger, als seine Hand breit war. Mit dem Satz „this is illegal in Albania“ suchte er weiter. Jedoch hatte er beim Rest seiner Durchsuchung nichts anzumerken. Immer wieder wies er uns darauf hin, dass das Messer in Albanien illegal sei und fuchtelte dabei mit offener Klinge herum. Der Sachverhalt wurde somit erfasst, der Tatbestand erleutert, jedoch die Rechtsfolge kennen wir bis heute nicht. Wir naiven Schweizer erfuhren erst später, dass wir die Situation mit Geld massivst hätten abkürzen können (was aber für uns so oder so keine Option gewesen wäre) – money talks. 

 

Fotos hierzu können wir leider keine liefern, da dies die Situation wohl nicht grundlegend verbessert hätte. 

 

Dafür war der darauffolgende Abend umso besser. Wir wurden von Admira, Edi und Elsa zum Abendessen in einem schönen Restaurant am Ohridsee eingeladen. Anschliessend gingen wir gemeinsam in die Stadt, wo wir bei Patisserie, der Schwester von Edi und Elsa viele albanische Spezialitäten kosteten. Wir genossen den interessanten, lustigen und fröhlichen Abend sehr. Bei Interesse könnt ihr uns gerne auf diverse Anekdoten ansprechen.

Am nächsten Tag ging die Reise zurück nach Albanien, wo wir an der Küste entlang Richtung Griechenland fuhren. Auf dem Weg an unseren „ersten Sandstrandschlafplatz“ haben wir beide das erste Mal in unserem Leben wilde Flamingos und einen Pelikan gesehen, was uns extrem beeindruckte. Den kilometerlangen Sandstrand hatten wir anschliessend für uns alleine. Ausserdem war die Fahrt durch den Sand für Gregy kein Problem. Zum Spass befuhren wir den ganzen Strand und die sich dort befindenden hohen Dünen, um die Grenzen des Fahrzeuges auszutesten – ein grosser Sandkasten für Gregy. Wir sind immer noch jedes Mal beeindruckt, was unser Wohnzimmer auf vier Rädern zu leisten vermag (einziges „Manko“ ist die fehlende Bodenfreiheit, von welcher man nie genug haben kann).

Nach einem kurzen Abstecher zum wunderschönen Blue Eye und einer kurzen Wanderung geht es nun weiter nach Griechenland. 

Fazit der vierten Etappe:

In unseren Augen ist Albanien zu Unrecht noch nicht einer der top Reiseorte. Uns überraschte sehr, dass Albanien eine sehr eindrückliche und abwechslungsreiche Berglandschaft bietet, die der Schweiz in nichts nachsteht. Wir erlebten die Bevölkerung als extrem gastfreundlich, anständig und grosszügig und die Natur war eines unserer Highlights auf der bisherigen Reise.

Hatte Albanien doch eine eher schwierige Zeit (politisch und geschichtlich gesehen) und rund 2/3 der Bevölkerung vor Jahren sein ganzes Vermögen aufgrund von Investitionen in einem Schneeballsystem verloren. Wir erlebten es als aufstrebendes Land, welches sich langsam von den Strapazen erholt. 

Bezüglich der Abfallproblematik haben wir rückblickend die bisherigen Reiseziele genau in der für uns richtigen Reihenfolge besucht – scheint Albanien das Abfallproblem bereits besser im Griff zu haben, als die anderen von uns bereisten Balkan-Ländern.