Heimatgefühle
26. August - 26. September 2023
Nach den bereits erlebten, war der Grenzübertritt zur Türkei sehr unspektakulär und schnell. Ein paar Kilometer später wollten wir dann auch gleich wieder einen Stellplatz ansteuern. Google Maps hat uns hier einmal mehr einen Streich gespielt und uns über eine ziemlich schreckliche Piste geschickt, die auch nicht wirklich zum besagten Platz geführt hat. Also entschieden wir uns umzudrehen und weiterzufahren. Dies hatte sich gelohnt. Wir fuhren vom Schwarzen Meer Land einwärts Richtung Berge. Dabei fuhren wir neben schönen Teeplantagen vorbei, durch saftig grüne Gebiete, hinauf in die Berge. Auf der anderen Bergseite war die Natur überhaupt nicht mehr grün und eher vollständig vertrocknet.
Etwas vorweg: die pontischen Alpen, wie sie genannt werden, scheinen eine natürliche Barriere darzustellen, welche die eine Bergseite (nördlich) eher tropisch und die andere (südliche) sehr trocken zurücklässt. Auf einem höheren Pass haben wir einen Schlafplatz an einem kleinen See ganz oben an einer Bergkette aufgesucht. Speziell war, dass Einheimische wohl zum Spass ständig mit irgendwelchen Waffen neben uns herum schossen. Etwas verstört nach den ersten Schüssen, hofften wir, dass sie die Waffen auch beherrschen und versuchten uns nicht mehr weit von Gregy zu entfernen. Wir hatten den hohen Schlafplatz ausgesucht, um vor der Hitze zu flüchten. Wer hätte gedacht, dass die Nacht so kalt sein würde, dass wir sogar nach ca. zwei Monaten das erste Mal wieder die Standheizung einschalten müssen? Geschlafen haben wir dafür umso besser. Weiter ging’s auf der trockenen Südseite zu einem Flüsschen, direkt neben einer sehr wenig befahrenen Strasse. Das Wasser war perfekt, um sich eine kleine Abkühlung zu gönnen. Während unserem Nachtessen parkte ein Türke direkt neben uns und „tigerte“ ca. 15 Minuten zwischen den 100 m entfernten Bäumen umher. Wir vermuteten schon, dass es wohl mit uns zu tun haben könnte. Später kam ein weiteres Auto, hielt kurz und übergab dem „tigernden“ Mann irgendetwas. Dieser kam in der Folge schnurstracks zu uns, stellte sich vor (er hiess Ismael) und schenkte uns eine ganze Schachtel mit einem Süssgebäck, das frittiert und in Sirup getränkt war. Es handelte sich um Tulumba Tatlisi und die Dinger könnten wohl direkt Diabetes verursachen.
Aber ihr könnt uns glauben, sie waren unglaublich lecker und wir mussten uns bremsen, nicht gleich alle wegzufuttern. Ismael meinte nur noch kurz, dass er gleich nebenan wohne und dass wir, falls wir etwas brauchen würden, jederzeit bei ihm vorbeikommen dürfen. Unnötig zu erwähnen, dass wir sprachlos waren.
Weiter fuhren wir am nächsten Morgen wieder in Richtung Schwarzes Meer. Wobei wir aber nicht wussten, dass wir auf dem Weg einen wunderschönen Pass überqueren würden. Auf der Nordseite des Passes wechselte die gut befahrbare Strasse jedoch zu Schotter (haben wir schonmal erwähnt, dass wir dank den tollen Navigationsapps immer wieder Offroad-Abenteuer erleben dürfen?). Unser Dachträger ist ja immer noch defekt und hält nur dank eines Spannsets. Wir entschlossen uns trotzdem weiterzufahren und aus der einfachen Schotterstrasse wurde eine immer steiler werdende alpine Strasse, welche an gewissen Stellen steil abfallend war. Nach den obligaten Flügen mit der Drohne, an einem schönen Spot mit wunderbarer Aussicht übers Tal, trafen wir auch gleich zwei türkische Motorradfahrer, die auf uns zukamen. Sie hatten ihre Drohne etwas oberhalb des Weges an einer beinahe unerreichbaren Stelle abstürzen lassen und wollten mit unserer Drohne schauen, wo sie genau liegt – so konnten wir ausserdem auch abmessen, wie viele Meter über Boden die Drohne zu Fall kam (11 m). Wir versuchten mit allen Mitteln irgendeinen Weg zu finden, die Drohne wieder herunterzuholen. Dabei kam ein türkisches Auto um die Kurve geschossen, welches uns beinahe überfahren hätte. Einer der Motorradfahrer meinte nur trocken, „der Typ habe wohl genug gelebt“. Denn während seiner verantwortungslosen Fahrart fuhr er beinahe mit uns über den Abgrund hinunter.
Es half nichts, es gab keinen Weg an die Drohne ran zu kommen. Also boten wir an, im nächsten Dorf (13 km entfernt) eine lange Leiter zu holen und mit dieser wieder hochzufahren. Mit einem der beiden jungen Männer fuhren wir den Pass hinunter Richtung Dorf, wobei uns dieser fragte, wieso wir gerade diesen Pass ausgesucht hätten. Es sei nämlich eine der 10 gefährlichsten Strassen der Welt und es gäbe immer wieder Tote hier. Ursprünglich wurde die Route von den Sowjets, mit gefangenen Türken, nach dem ersten Weltkrieg innerhalb eines Jahres gebaut.
Ehm „Gefährlichste was?!» Wir beide warfen uns einen etwas fragenden Blick zu und haben innerlich wieder unseren Navi Apps gedankt. Nun ja, nach dem Abano Pass in Georgien waren wir solche Strassen schon ein wenig gewöhnt. Ein paar Kilometern weiter unten, stand dann auch der verrückt fahrende Typ von vorher neben seinem Fahrzeug und tauschte gerade sein plattes Vorderrad. Hilfe wollte er keine, gefragt haben wir auch eher nur aus Anstand. Karma?
Weiter unten im Dorf trafen wir dann auf einen Einheimischen, der ein Dachdeckergeschäft hatte und unserem türkischen Kollegen seine lange Leiter borgen wollte. Diese war aber aktuell noch gerade in der Moschee im Einsatz und könnte dort abgeholt werden. Da wir nach wie vor einen defekten Dachträger haben (siehe Blogpost „Höhenflüge“), überlegten wir uns bereits, wie wir die Leiter transportieren könnten. In gemächlich, entspanntem Tempo ging es weiter Richtung Moschee … als ein Pickup unseren Weg kreuzte, schlug Dorian vor, dass man die Leiter auf der Britsche anstellen könnte, um an Höhe zu gewinnen. Uns wurde nämlich gesagt, dass die Leiter in der Moschee lediglich 8 m lang sei (und es wären 11 m nötig gewesen). Plötzlich erzählte unser Beifahrer wohl den anderen Männern auf dem Dorfplatz, dass nicht wir das Problem haben (wie sie bis dahin alle angenommen hatten), sondern er selber. Auf jeden Fall streckten auf einmal zwei der Männer, Dorian ihre Hände entgegen, verabschiedeten und bedankten sich und meinten, dass sie uns nicht aufhalten wollen und es ab hier alleine schaffen würden. Zack – weg waren sie. Wir standen lediglich da wie geohrfeigte Affen und waren etwas überrascht. Einige Tage später erreichte uns über Instagram die erfreuliche Meldung, dass die Drohne gerettet werden konnte.
Dorian musste wieder einmal Haare lassen. Für umgerechnet CHF 4.50 wurden Bart und Haare geschnitten, Ramona hat in der Zwischenzeit einen türkischen Tee serviert bekommen und 12 Minuten nach Betreten des Barber-Shops war er mit Dorian’s Frisur und Bart fertig und 15 Minuten später waren wir auch schon wieder draussen.
In den nachfolgenden Tagen hatten wir diverse schöne Schlafplätze. Wir fuhren durch kilometerlange Haselnussplantagen, welche sich mit sehr rudimentär eingerichteten Zeltlagern abwechselten. Der Begriff „Zelt“ ist zwar hier eigentlich falsch. Es handelte sich mehr um Planen, welche über Holzpfosten gespannt wurden. Fliessend Wasser oder Sanitäranlagen waren keine zu sehen. Gemäss unserer Vermutung handelte es sich dabei um Unterkünfte für Erdbebenopfer.
An einem unserer Stellplätze in Niksar war das uns ständig begleitende Abfallproblem besonders prekär. Wir entschieden uns, statt uns nur darüber aufzuregen, diesen etwas aufzuräumen. Eine Stunde und 14 Abfallsäcke später, war der Platz zwar noch nicht komplett abfalllos, konnte sich aber schon wieder etwas sehen lassen. Während dem Wegräumen haben wir uns mehrmals gefragt, ob unser Handeln überhaupt etwas bringt oder ob der Platz in einer Woche sowieso wieder aussieht wie vorher.
Als wir die Säcke dann zum nahegelegenen Container trugen (paradoxerweise gibt es diese hier massenhaft und werden auch regelmässig geleert), wurden wir von zwei Männern mit einem kleinen Jungen angesprochen. Es handelte sich um zwei Brüder, die mit ihrem Neffen im Dorf waren und uns beobachtet hatten. Sie fanden unsere Aktion sehr lobenswert und fragten uns, ob sie die Lokalzeitung anfragen können, ein Interview von uns zu veröffentlichen. Wir willigten gerne ein, da wir die Hoffnung hatten, dass vielleicht der eine oder andere in Zukunft seinen Müll nicht einfach in der Natur entsorgt. Am Folgetag haben die Beiden uns den Artikel auch bereits zugestellt, was uns sehr freute. Wenn man bedenkt, wie wenig wir im Interview selbst ausgesagt haben, wurde der Artikel sehr in unserem Sinn verfasst. Wen es interessiert: Der Text kann beispielsweise auf www.deepl.com sehr einfach von Türkisch auf Deutsch übersetzt werden. (https://www.niksardanismend.com/tatil-yapmaya-geldiler-insanlik-dersi-verdiler/17151/)
Zwei Nächte später haben wir kurz vor dem Schlafen gehen, bei unserer abendlichen Zeremonie mit Zahnbürste etc., in ca. 300 m Entfernung in einem Feld neben uns ein SOS-Lichtsignal entdeckt. Wir haben uns auf die Socken gemacht (mit Lampe und Pfefferspray im Gepäck) und sind in Richtung des Signals, quer feldein gestampft. Einige Meter vom Licht entfernt entdeckten wir einen eingezäunten Bereich mit einer grossen Taschenlampe in der Mitte. Diese war auf einen grossen Stein gelegt und strahlte das SOS-Signal aus. Die Situation kam uns eher komisch vor – vor allem, weil wir in den letzten Monaten während unseren Fahrten immer Podcasts wie Aktenzeichen XY und Mordlust gehört hatten. Auf unsere Rufe hat ausserdem niemand geantwortet. Deshalb gingen wir zurück zum Bus und entschieden uns den Notruf darüber zu informieren – Ausgang UNGELÖST! Hoffentlich kommt der Fall nicht in einem der Aktenzeichen Podcasts wieder 🙂
Kurz vor unserem Zwischenstopp in Ankara stellten wir fest, dass leider unser Wassertank das zweite Mal undicht war. Da Trinkwasser bei diesen Temperaturen entsprechend wichtig ist, war klar, dass wir das Problem schnell beheben mussten.
Wir hatten Glück und fanden einen kleinen Familien-Schweisserbetrieb, der uns weiterhelfen konnte. Da wir seit Beginn der Reise kein Zeitgefühl mehr haben, war es uns bedauerlicherweise auch entfallen, dass wir genau um 12.00 Uhr in die Werkstatt liefen. Ohne eine Sekunde zu überlegen, wurden alle Hebel in Bewegung gesetzt, uns zu helfen. Während der Vater unseren Tank schweisste, unterhielten wir uns über Google Translator mit seinem jüngeren Sohn und dem Lehrling und erklärten ihnen, wo unsere Reise uns bisher bereits hingeführt hat. Rund 1.5h später, waren die Arbeiten fertig und bei mehreren Tests konnte kein Leck mehr festgestellt werden. Bezahlung wollten sie, für die ausgeführte Arbeit, keine. Dies wollten wir aber nicht und gaben ihnen einige Geldnoten. Der Reaktion war zu entnehmen, dass es für die Verhältnisse hier wohl mehr als genug war. Nach einigen Diskussionen nahmen sie das Geld aber dankend entgegen und baten uns, mit ihnen Mittag zu essen. Nun hatten auch wir verstanden, wieso sie wohl auf „unsere Arbeit“ gewartet hatten – eigentlich wäre Mittagspause gewesen. Bei Köfte und Ayran verbrachten wir einen geselligen Mittag in der Werkstatt.
Seit dem letzten Autoservice in Kasachstan (3. Juli), fuhren wir bereits wieder über 17’000 km, weshalb wir in Ankara in der Toyotavertretung einen Ölwechsel machen lassen wollten. Kurzversion: Wieso auch immer, konnte schlussendlich nur das Motorenöl und der Ölfilter gewechselt sowie der Luftfilter ausgeblasen werden. Wir bestanden jedoch dieses Mal darauf, dass Dorian bei den Arbeiten dabei sein kann. Gemäss seiner Einschätzung hätte ein allfälliger SUVA-Kontrolleur einen sofortigen Herzinfarkt erlitten. Wir waren froh, dass das Auto keine Blutspuren hatte, als es die Garage wieder verlassen durfte.
Kurz entschlossen fuhren wir direkt weiter nach Kappadokien. Wir konnten es nicht lassen, noch einmal die wunderschöne Gegend mit den vielen Ballons zu bestaunen. Deshalb verbrachten wir noch einmal zwei Nächte am selben Stellplatz wie bereits im Juni – wie kleine Kinder vor dem leuchtenden Weihnachtsbaum sassen wir am Morgen vor unserem Bus und bestaunten, sprachlos, die vielen farbigen Ballons. Den Tag nutzten wir, um das Provisorium unseres Dachträgers mit einem Provisorium 2.0 upzudaten. Während Dorian seiner Werkstatt zu Hause nachtrauerte, war Ramona stolz auf seine Arbeit.
Auf dem Weg an die Südküste haben wir Filipe und Giuliana aus Brasilien kennengelernt. Die beiden leben seit Jahren in Spanien und sind für zwei Wochen mit dem Mietauto in der Türkei unterwegs. An einem gemütlichen Lagerfeuer unter dem Sternenhimmel tauschten wir uns bei ein/zwei Flaschen Wein über Gott und die Welt (weniger Gott und mehr die Welt) aus. Filipe brachte bezüglich der Abfallproblematik die Broken Window Theory ins Gespräch. Er meinte damit, dass es für den ersten, der Abfall in die Natur wirft, eine grössere Hürde sei als, wenn bereits ein Platz völlig vermüllt ist – und wir mit unserer Platzreinigungsaktion genau das erreicht hätten (und wieder eine Hürde da sei, dass Abfall in der Natur entsorgt wird).
Von Mersin fuhren wir weiter in Richtung Antalya. Hier hatten wir endlich die Möglichkeit im warmen Nass (das Wasser war nämlich lauwarm) zu baden und beim Schnorcheln die vielen schönen Fische zu beobachten. Leider wurden hier auch die Nächte wieder grenzwertig heiss … trotzdem sind wir uns einig, dass unser Plan (welchen wir nie hatten) bezüglich der gewählten Routen und Reisezeiten, bisher perfekt aufgegangen ist. Sowohl die Temperaturen tagsüber als auch in der Nacht waren nämlich noch vor zwei Wochen in dieser Region einiges unerträglicher und höher.
Am 11. September am Morgen durften wir Fabienne (Schwester von Ramona) und Justin (unser Lieblingsschwager Ramona-Seitig) am Flughafen in Antalya in Empfang nehmen. Wir hatten gemeinsam für fünf Tage eine Ferienwohnung mit einem Pool in Antalya gemietet und uns in den letzten Wochen bereits sehr auf ihren Besuch gefreut. Nebst dem sie uns einige Sachen aus der Schweiz mitbringen mussten (unter anderem neue Frontleuchte, da die alte einem Steinschlag zum Opfer viel) haben sie uns einen selbst gemachten frischen Zopf, Bündnerfleisch, Schoggi-Keckse und Zweifel Chips mitgebracht! Lecker!
Ausserdem haben wir von unseren Eltern ebenfalls Geschenke erhalten. Von Ramona’s Eltern bekamen wir selbst angepflanzte und gedörrte Karotten sowie leckere, selbst gedörrte Zwetschgen und von Dorian’s Mama bekamen wir eine Schachtel mit einem wunderschönen hölzernen Sackmesser, einem kleinen Bergkristall sowie einem „Bräzeli“. Wir haben uns über all diese Sachen extrem gefreut.
Die folgenden fünf Tage verbrachten wir bei gutem Essen, plantschen im Pool und im Meer, genossen Apéro’s unter der türkischen Sonne und bei vielen tollen Gesprächen. Leider ging die Zeit viel zu schnell vorbei. Doch unser Heimweh konnte dank des Besuches der beiden etwas gestillt werden und wir freuen uns auf all das, was in den letzten paar Wochen unserer Reise nun noch auf uns wartet.
Weiter der Südküste entlang fuhren wir in Richtung Kas. Rund 100 km vor dem Küstendorf fanden wir eine sehr wenig besuchte Bucht mit glasklarem Wasser. Schnell war für uns klar, dass wir den Tag hier mit schnorcheln verbringen wollen. Als wir am Abend zu Bett gehen wollten, wurden wir von zwei türkischen Familien angesprochen und gebeten, mit ihnen Raki (türkischer Schnaps) zu trinken. Da wir ja schliesslich beide anständig erzogen wurden, haben wir uns dazu gesellt und verbrachten einige lustige Stunden mit Google Translator-Konversationen. Offensichtlich wurde wohl nicht alles richtig übersetzt, aber egal, wir lachten viel und genossen den Abend.
Am 18. September war Dorian’s 36. Geburtstag. Er wünschte sich einen Tag unter Wasser, weshalb wir am Morgen mit dem Schiff aufs Meer hinausfuhren und tagsüber zwei Tauchgänge im Mittelmeer genossen. Das Wasser war wundervoll warm und klar. Viele Fische zeigten sich uns und den Tag schlossen wir dann mit einem sehr guten Burger und ein paar „Hopfen Smoothies“ mit anderen Tauchern und ihren Partnern bei lustigen und ausgelassenen Gesprächen ab. Dorian meinte, dass er das Jahr mehr auf dem Buckel am nächsten Tag sehr gut spüren würde … Böse Zungen behaupten aber, dass das auch an etwas anderem gelegen haben könnte.
Nun mussten wir uns aber beeilen, denn uns soll noch jemand weiteres ganz spontan besuchen kommen. Michael hatte sich kurzfristig entschieden, uns etwas mit einem Mietauto zu begleiten. Da Kas aber kein eigener, internationaler Flughafen hat und der nächste in Izmir ist, mussten wir uns etwas beeilen. Die rund 300 km mussten also am Tag nach Dorian’s Geburtstag zurückgelegt werden, da das Flugzeug mit unserem Besuch schon am Abend ankommen sollte und wir für ihn noch ein Mietauto abholen wollten.
Dorian war froh, dass er sich erklärt hatte, das klimatisierte Mietauto zu fahren, denn wenn Ramona aus dem Bus völlig verschwitzt ausstieg, hatten die zwei „Jungs“ stets noch ziemlich frisch ausgehen. Es klappe alles und Michi durfte etwas von der „Vanlife und türkischen Luft“ schnuppern – und er lernte Wasser zu sparen ;). Drei Tage später kam leider schon wieder der Abschied. Vielen Dank für den Besuch, die guten Gespräche und dass wir nun wieder beim Dorftratsch auf dem aktuellen sind, wir freuten uns enorm!
Pamukkale mussten wir einige Tage zuvor aufgrund des «etwas gedrängten Programms» links liegen lassen, entschieden uns aber nach der Verabschiedung trotzdem noch einmal zurückzufahren. Der Ort ist bekannt wegen Hierapolis (einer schönen, archäologischen Stadt), welche alleine schon ziemlich gross ist. Aber vor allem aufgrund der Kalksteinpools unterhalb, die wohl der grössere Touristenmagnet darstellen. Am Morgen steigen jeweils noch ein paar Ballone mit Touris in den Himmel. Uns hat es ziemlich an Kappadokien erinnert, aber halt nicht ganz so pompös.
Wir würden eher empfehlen, zuerst Pamukkale zu besuchen und dann erst Kappadokien. Wenn man das Ganze von nahem sehen will, bezahlt man gefühlt mit einer Niere.
ProTipp: Um 07:00 wimmelt es noch nicht so extrem von lasziv räkelnden Influencer, dann lässt sich der Ort etwas besser geniessen.
Nett war es trotzdem, uns zog es dann aber weiter. In der Gegend von Pamukkale haben wir aber beide das erste Mal in unserem Leben Baumwollplantagen gesehen. Dies hat uns sehr beeindruckt.
Durch eine schöne berg- und schluchtenreiche Landschaft mit vielen Weingütern fuhren wir Richtung Bursa, denn wir liebäugeln immer noch mit einer Möglichkeit unseren Dachträger zu ersetzen und dort soll es eine Vertretung von Thule Dachträgersysteme geben.
So langsam holt uns die Realität ein und wir beide realisieren, dass die Reise schon bald dem Ende zu geht. Die Frage, die sich uns ständig stellt, ist: Sollen wir das warme Wetter noch etwas länger geniessen (Türkei und Griechenland), oder uns langsam Richtung Norden begeben, um andere Länder noch genauer kennenzulernen. Aber es hat ja auch niemand gesagt, dass reisen einfach ist?
Den für uns und unser Budget passenden Dachträger haben wir leider in Bursa nicht gefunden und werden das „Problem“ somit zu Hause lösen. Für uns geht es nun erst einmal weiter nach Griechenland, wo wir uns bereits auf all die Tavernen freuen.
Fazit der zwölften Etappe:
Kreisel in der Türkei sind ein Thema für sich: manchmal ist mitten im Kreisel ein Stopp-Schild und manchmal funktionieren sie ganz „normal“ (wie bei uns). Das sorgt dann immer für Verwirrung (nicht nur bei uns…) und gefährliche Situationen.
Die Inflation trifft die türkische Bevölkerung sehr hart. Wir haben dies beispielsweise anhand des Benzinpreises zu spüren gekriegt. Im Mai war der Preis für 1 Liter Benzin noch bei 0.90 CHF und nun bei über CHF 1.30.
Da die Türkei über eine sehr eindrückliche Berglandschaft verfügt, konnten wir der Hitze stets entfliehen. Für uns waren die Gebirge dem Schwarzen Meer entlang am eindrücklichsten. Die Küstenstrasse von Antalya nach Kas war für uns definitiv sehenswert.
Die zwei Besuche, welche wir im letzten Monat empfangen durften, haben uns sehr gutgetan und wir genossen jeden Moment in vollen Zügen.
Die türkischen Strassen sind top. Ramona witzelte, dass sogar die schlechtesten Strassen hier besser sind als die besten Strassen, welche wir in der Mongolei antrafen. An der Fahrweise gewisser Automobilisten hat sich deshalb aber nichts geändert.
Unser Eindruck, welchen wir vom Land bereits im Mai/Juni hatten, hat sich noch einmal bestätigt. Die Menschen hier sind extrem offen und gastfreundlich. Wir sind dankbar für die vielen tollen Begegnungen und interessanten Gespräche.




























































































































































































