Dankbar

16. - 23. Oktober 2023

Mit der Kälte kommen wir nun dem Ende unserer Reise immer näher. Quer durch Ungarn fuhren wir Richtung Budapest. Wir haben vorgängig von vielen anderen Reisenden nur Positives über diese Stadt gehört und wollten uns unbedingt noch ein eigenes Bild davon machen.

Enttäuscht wurden wir dabei nicht. Wir genossen den Tag bei einem Städtebummel der Donau entlang und liessen den Abend im Hard Rock Café ausklingen. Nachdem wir unsere obligate Nacho-Platte bestellt und gegessen hatten, setzte sich ein sehr junges Pärchen an den Tisch neben uns. Dazu muss vielleicht gesagt werden, dass ihnen eigentlich ein anderer Tisch zugewiesen wurde, die Dame sich jedoch lauthals darüber aufregte, dass sie sich bestimmt nicht an diesen Tisch setzen würde (wieso, war nicht klar).

Als die Kellnerin, die beiden fragte, was sie den gerne bestellen möchten, bestellten diese alles von der einen Seite der Speisekarte plus noch ein Menu von der nächsten Seite (insgesamt fünf Menüs an der Zahl). Die Kellnerin meinte zuerst etwas verwirrt, dass sie wohl die Bestellung falsch verstanden hätte. Hierzu muss gesagt werden, dass die Portionen in den Hard Rock Cafés nicht gerade klein sind und das Paar kleiner und zierlicher war als wir es sind.

Der junge Mann bestand darauf, alles zu bestellen. Die Kellnerin kam an ihre Grenzen und bat einen Arbeitskollegen, ihr zu helfen. Dieser wies das Pärchen noch einmal darauf hin, dass „aus seiner Erfahrung fünf Hauptspeisen für zwei Personen, viel zu viel seien“. Dabei bot er den beiden an, zwei Gerichte zu bestellen, und anschliessend weitere nachzubestellen, wenn noch Bedarf ist. Der junge Typ schüttelte den Kopf und gab dem Kellner zu verstehen, dass er alle fünf bestellen möchte und alles zusammen serviert werden soll. Der Kellner liess sich trotz Unverständnis nicht viel anmerken, nahm die Bestellung entgegen und brachte kurze Zeit später das Ganze essen.

Nach ein paar Bissen (und dies ist wirklich nicht übertrieben), legten die beiden ihr Besteck bei Seite – sie hatten genug gegessen. Was bei uns bereits vor der Reise auf grosses Unverständnis gestossen wäre, war nach dieser Reise noch extremer. In den letzten Monaten haben wir so viele Menschen getroffen, welche eigentlich nichts haben und alles geben – und dann gibt es diese Menschen, die zu viel haben und sich in unseren Augen unmöglich benehmen. Am Schluss bestellte die junge Frau sogar noch ein Dessert, von welchem sie nicht einmal ein Viertel ass. Der Kellner fragte mehrmals nach, ob das Essen gut sein, was jedes Mal mit „Ja“ beantwortet wurde.

Nachdem der Kellner einkassiert hatte und die beiden aufgestanden waren, fragte Ramona sie rhetorisch geschickt (wie wir’s in einem unserer Hörbücher der letzten Wochen gelernt hatten), ob wir ihnen eine Frage stellen dürften … der junge Typ meinte nur: „Ja klar!“ Was für uns bedeutete, dass wir freie Bahn hatten. „Wieso bestellt ihr all dieses Essen, wenn ihr nicht einmal einen kleinen Teil davon esst? Und dies sogar, wenn euch der Kellner noch darauf hinweist?“. Es blieb still. Wir fügten an: „Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, die zu wenig Essen haben und ihr benehmt euch hier so“… Beide wussten nicht, was sie sagen sollen und verliessen das Restaurant.

Das war etwas, was wir uns auf der Reise ebenfalls vorgenommen haben… Nicht immer wegschauen, sondern auch einmal eingreifen. Die Angestellten vom Hard Rock waren sichtlich genervt von dem Verhalten dieser beiden Gäste, und durften aber nichts sagen – wir schon.

Wir hoffen, dass diese sich beim nächsten Mal überlegen, wie viel sie bestellen.

Die Nacht in Budapest verbrachten wir so zu sagen mitten auf einer stark frequentierten Hauptstrasse – uns hat es aber nicht wirklich gestört, da wir uns in der Stadt sicher fühlten.

Am nächsten Morgen ging’s bereits weiter nach Österreich, wo wir am Startpunkt eines Wanderweges übernachteten. Die Wanderung selber haben wir erst am nächsten Tag gemacht und war top. Über dem Nebelmeer führte uns der Weg auf zwei kleine „Bergspitzen“ mit grandioser Aussicht. Die anschliessende Dusche gönnten wir uns aber dann während der Weiterfahrt auf einer Autobahnraststätte für 3 EUR.

Kurz vor Salzburg befindet sich eine Art Museum von KTM. Da Dorian schon seit Jahren mit Motorrädern dieser Marke unterwegs ist, war klar, dass wir dieses besuchen werden. Und es hatte sich wirklich gelohnt. Das Museum war mit viel Highlights und Special Effects ausgestattet und den Besuch alle Male wert. Den Nachmittag verbrachten wir in Salzburg – eine schöne, kleine Stadt mit viel Charme, welche man unserer Meinung nach unbedingt einmal besucht haben muss. Es war nicht so hektisch, wie es in vielen anderen Städten der Fall ist. Ausserdem hatten wir ein ausgezeichnetes Restaurant mit leckerem Sushi entdeckt. Es war eines der wenigen Male, wo sich auf dieser Reise das auswärts Essen tatsächlich gelohnt hat.

Über Deutschland, wo wir in Erding noch ein paar entspannte Stunden in der Therme genossen, ging es zurück in die Schweiz. In Basel machten wir noch kurz einen Abstecher zu Stephi und ihrem Mann Luca (eine Arbeitskollegin von Ramona). Wie es der Zufall wollte, hatte sie genau an diesem Abend mehrere ArbeitskollegInnen bei sich zu Hause zum Essen eingeladen. Komplett unerwartet und dennoch schön all die lieben Menschen zu sehen freuten wir uns über den kurzen spontanen Besuch bei ihnen. Da wir die Party aber nicht crashen wollten und noch einen „Plan“ hatten, ging es für uns weiter. Den letzten Abend liessen wir auf dem Ahorn, einem Aussichtspunkt in der Nähe vom Wohnort von Ramona’s Eltern ausklingen.

Der Wahl des zweitletzten Schlafplatzes unserer Reise hatte einen bestimmten Grund. Am 22. Oktober hatte Ramona’s Papi nämlich Geburtstag. Dieser war immer noch im Glauben, dass wir einige Tage in Budapest verbracht hatten (unser Tracker haben wir ausgeschaltet und die Fotos von unserem Tag in Budapest verteilt über mehrere Tage in unseren Status geladen). Ramona’s Mama hatten wir bereits vor ein paar Wochen in unser Vorhaben eingeweiht. Wir freuten uns sehr auf das spezielle nach Hause kommen und die Überraschung ist geglückt. Den Tag verbrachten wir mit Ramona’s Familie, bevor es am Montag dann definitiv nach Hause ging … und dort warteten auf uns mehrere Überraschungen. Über unserem Balkon hing ein grosses Plakat, vor dem Eingang warteten Geschenke auf uns, in der Wohnung wurden uns Leckereien hinterlassen und: «die Wohnung war geputzt!» Ramona’s Eltern haben nicht nur während der ganzen Reise zu unserem Zuhause geschaut, sondern dieses auch noch vor unserer Rückkehr komplett gereinigt. Unglaublich! Vielen herzlichen Dank!

Wir sind unendlich dankbar für diese Reise, all die Begegnungen, die Landschaften, die Momente und Erlebnisse sowie die Erfahrungen, welche wir in den letzten sieben Monaten machen durften. Auch wenn wir ein paar Mal unsere Komfortzone verlassen mussten und an unsere Grenzen gestossen sind – es war die beste Zeit unseres Lebens! Nun freuen wir uns auf unser zu Hause und auf all das, was wir in den letzten sieben Monaten zu schätzen lernten sowie all die lieben Menschen, welche wir so vermisst haben.

Fazit unserer Reise:

Es war die beste Entscheidung unseres Lebens, uns den lang ersehnten Traum, unserer Reise in die Mongolei zu erfüllen. Dank dem, dass Ramona’s Eltern, Hanni und Thomas, auf unser geliebtes Berghüsli aufgepasst haben, haben wir uns während der ganzen Reise nicht einmal Gedanken oder Sorgen gemacht. Ausserdem war der Garten dankt ihnen beiden sowie Fabienne und Justin in einem top Zustand und sieht besser aus, als wenn wir zu Hause geblieben wären. Vielen Dank!! Dies und die Tatsache, dass wir unsere Wohnung wieder so antrafen, wie wir sie verliessen, machte uns das nach Hause kommen extrem leicht. Dies beeinflusste unserer Meinung nach stark die Vorfreude auf zu Hause. 

Während den letzten sieben Monaten lernten wir nicht nur täglich, wie es ist minimalistisch zu leben, sondern auch, dass dieser Lebensstil extrem befreiend sein kann. Wenn man so lange von zu Hause weg ist, merkt man, was echte Freundschaft ist und wem man wirklich wichtig ist.

Ausserdem lernt man mit der Zeit, dass es wichtig ist ein Grundvertrauen in andere Menschen zu haben. Wenn man immer vor allem und jedem Angst hat, macht es eine solche Reise, wie wir sie gemacht haben, nicht einfacher. Klar weiss man nie, ob jemandem etwas Gutes oder Schlechtes will. Nach über 200 Nächten on the road können wir sagen, dass wir beide in unserem Leben noch nie so viel Menschlichkeit erlebt haben wie in den letzten Monaten. Wir trafen nicht eine Person, die uns etwas Böses wollte – im Gegenteil. 

Wir lernten beide, dass es eigentlich für jedes Problem einen Ausweg gibt, auch wenn es manchmal noch so aussichtslos erscheint. Irgendwie gehts immer!

Und natürlich prägt einen eine solche Reise auch als Paar. Es war nicht immer einfach, auf so wenig Quadratmeter zu Zweit zu leben. Konflikten aus dem Weg gehen? Fehlanzeige. Probleme müssen ausdiskutieren werden, ansonsten wird es für alle Beteiligten zum Spiessrutenlauf. Auch Privatsphäre hat man in einem so kleinen Bus, wie wir ihn haben, kaum. Wenn man all diese Momente, Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen gemeinsam erlebt und gemeistert hat, ist ein solches Abenteuer aber umso bereichernder. Wir sind beide der Meinung, dass es uns als Paar extrem weitergebracht hat. Dazu kommen all die schönen Erinnerungen, welche wir ein Leben lang behalten werden. 

Und an all diejenigen, welche uns vor, während oder nach unserer Reise sagten: «so cool, dass ihr den Mut habt sowas zu machen, das hätte ich auch gerne einmal gemacht, aber …». Macht es: Ihr habt nur ein Leben (zu alt ist man auch nie)! Den richtigen Zeitpunkt gibt es sowieso nicht und Ausreden, wieso es gerade nicht passt, findet man auch immer(wir haben Familien mit Kindern, ältere Leute, Alleinreisende, Remote-Arbeitende, Reisende mit Haustieren … getroffen).

Die letzten Monate vergingen für uns genauso schnell, wie für diejenigen Menschen zu Hause. Der Unterschied: Wir haben die Zeit bewusster und intensiver erlebt.