Höhenflüge

8. Juli - 3. August 2023

Und dann war es endlich so weit. Jahrelang hatten wir von diesem Moment geträumt! Wie oft sind wir im Studium vor unseren Büchern gesessen und haben uns vorgestellt, dass wir eines Tages in der Mongolei die Weiten des Landes bereisen werden…

… im Niemandsland zwischen der russischen und der mongolischen Grenze begegneten uns schon die ersten Grunz-Ochsen (Yaks) – ja die grunzen wirklich – und dann sahen wir in der Ferne den mongolischen Zoll. Nachdem wir 200 Rubel für die Desinfektion der Räder unseres Fahrzeuges bezahlt hatten (wohlgemerkt, dass diese aber nicht desinfiziert wurden), konnten wir weiter vorne parkieren und das Zollhaus betreten. Nach der Passkontrolle bat ein Herr, Dorian sich mit ihm zusammenzusetzen, um das Auto im System zu erfassen. Dorian half so weit er konnte, während der Mann die Daten mit gemächlichem Adlersystem in den Computer eintippte. Randbemerkung: Die Passwörter für all die zolleigenen Seiten waren auf Notizzettel gekritzelt, auf dem Schreibtisch verteilt und wären auch einfach zu erraten gewesen. Benutzername und Passwort hätte man in aller Ruhe einfach „abschauen“ können. Dorian dachte noch kurz, ob er ihm vorschlagen soll, dass er die Daten während der Reise ja selber noch eingeben könne, liess dies aber aus taktischen Gründen dann doch sein. Die restlichen Formalitäten waren dann aber schnell erledigt. Ein freundlicher Beamter begrüsste uns mit „Welcome to Mongolia“ und grinste uns dabei fröhlich an. Seit 2023 brauchen wir als Schweizer Staatsbürger für 30 Tage kein Visum mehr, weshalb auch hier einiges erleichtert wurde.

Noch bevor wir das Grenzareal verlassen konnten, wurden wir von einer aufdringlichen Dame mit einem schrägen Typen im Schlepptau abgefangen. Sie wollte uns eine Haftpflichtversicherung verkaufen/andrehen (resp. verkaufte uns schlussendlich eine). Aus dem Austausch mit anderen Reisenden hatten wir von dieser Dame bereits gehört und Mutige, die bei ihr einfach durchgefahren sind, wurden dann natürlich prompt und „rein zufällig“ im nächsten Dorf von der Polizei angehalten und gebüsst (woher die das wohl wussten?). Also haben wir uns entschieden, dass wir die Versicherung bereits bei ihr lösen und nicht erst im nächsten Dorf, da vor allem das Risiko bei einer Fahrt ohne Haftpflichtversicherung für uns zu gross war. Neben der Frau war der erwähnte schräge Typ – ein älterer Mann -, welcher uns anbot, Geld zu wechseln. Der sichtlich stark alkoholisierte Mann wiederholte sich mehrmals und versicherte uns, dass er uns einen sehr guten Wechselkurs machen würde – was wir natürlich blind glaubten 😉 -. Deshalb haben wir nur einen Notgroschen gewechselt.

Direkt nach der Grenze standen mehrere Blechhütten, wo man SIM-Karten kaufen konnte. Wir hielten vor einer an und wollten den „Laden“ betreten. Ein weiterer betrunkener, aber freundlicher, Mann stolperte und eilte eher schlecht als recht zum Laden, mit dem klaren Ziel wie ein galanter Gentleman vor uns die Tür öffnen zu können. Oder hielt die Tür eher ihn? Wir ahnten schon, dass dies wohl nicht aus reiner Gefälligkeit geschah. Hinter dem Tresen stand eine freundliche Frau und ihr Mann (auch dieser war stark alkoholisiert). Die Frau verkaufte uns die SIM-Karte und richtete diese auch direkt auf dem Handy von Ramona ein. Für 8GB Daten haben wir ca. CHF 6.00 bezahlt, so günstig haben wir noch nie Daten gekauft (z.B. siehe Türkei Blogpost). Was wir aber nicht wussten: Der Mobilfunkanbieter schenkt bei diesem völlig „überrissenen» Preis der SIM-Karte dann auch noch ständig 1GB Daten, wenn man sich an abgelegenen Orten in die Mobilfunkzellen einloggt (als Belohnung für Naturbesuche) – nett -. Der Pass war schnell kopiert und wir konnten den Laden wieder verlassen. Der „Türöffner“ mit seinem Hauch von Alkohol stand während dem ganzen Prozedere ständig hinter uns und wollte dann auch noch Geld für seine Heldentat. Wir mussten ihn jedoch enttäuschen, da wir ihm nicht noch mehr Alkohol zumuten wollten.

Bereits im Voraus hatten wir gelesen, dass rund ein Viertel der Männer in der Mongolei am Alkoholismus erkrankt sind. Unser erstes Bild des Landes bestätigte dies leider. Wir fuhren einige Kilometer in das nächst grössere Dorf (Ölgii), wo wir einen Schlafplatz ausserhalb des Dorfes fanden. Die Umgebung des Schlafplatzes war sandig, staubig und trocken und wir wunderten uns schon, was die Kühe, die wir von weitem sahen, wohl essen…

Den nächsten Tag verbrachten wir eher gemütlich an diesem wunderschönen Platz. Am Abend entschieden wir, dennoch ein paar Kilometer weiterzufahren und an einem nahegelegenen See zu übernachten. In Ölgii füllten wir noch einmal unseren Benzintank (0.60 CHF/Liter) und wollten gerade weiter fahren. Da stoppte uns ein Mongole und erklärte uns, dass er ein Gästehaus besitzen würde und wollte wissen, ob wir interessiert seien an einem Übernachtungsplatz. Wir erklärten ihm, dass wir in unserem Fahrzeug schlafen und auf dem Weg zum See seien. Da aber unser Wassertank auch ziemlich leer war, fragten wir ihn, ob er uns sagen kann, wo wir Trinkwasser auffüllen können. Er bot uns an, den Tank bei ihm zu Hause zu füllen – Bezahlung wollte er keine. Wir wollten ihm aber eine Gegenleistung geben und fragten ihn, was er ausser der Unterkunft sonst noch anbieten würde: SIM-Karten. Da wir an der Grenze nur 8GB Daten lösen konnten, entschieden wir uns dazu noch eine Zweite mit 21GB Daten (für CHF 5.00) zu kaufen. Die Nacht verbrachten wir dann einige Kilometer weiter am See, wo auch einige Jugendliche mit ihren Zelten übernachteten.

Da wir maximal 30 Tage in der Mongolei bleiben können (aufgrund der Non-Visa-Bestimmungen und der Zeit, welche wir für unsere Rückreise benötigen), wollen wir in dieser Zeit so viel wie möglich vom Land sehen. Wir hatten vorgängig ein Offroad-Buch von Pistenkuh gekauft und haben uns entschieden, die meisten dieser Routen zu fahren. Vom Westen der Mongolei reisten wir also langsam in Richtung Osten. Nebst den wilden Kamelen, Dromedaren, Antilopen, Diesel (sehr putzige Genossen), Murmeltiere, Wüstenmäuse, Grunz-Ochsen, Schafen, Ziegen, Wüstenfuchs, Adler, Geier, Pferden und Kühen konnten wir in den folgenden Tagen eine unbeschreibliche und abwechslungsreiche Natur, besser als wir uns je ersehnt haben, erleben.

Anfang/Mitte Juli ist jedes Jahr das Naadam-Fest im ganzen Land. Wir wollten uns natürlich dieses nicht entgehen lassen und haben uns deshalb einen halben Tag Zeit genommen, um in Khovd das Festgelände zu besuchen. Neben Pferderennen und Ringen gibt es hier auch das berühmte Bogenschiessen. Die Treffsicherheit der Mongolen hat uns sehr beeindruckt. Zum Abschluss gönnten wir uns an einem Stand noch ein Mittagessen to go, da das Wetter leider alles andere als mitspielte.

Auf der Fahrt Dorf auswärts kamen uns unzählige Autos und Pickups entgegen. Auf den eher kleinen Pickups wurden jeweils mindestens zwei Pferde auf der offenen Ladebrücke mitgeführt. Wie das wohl sein mag als Motorradfahrer, wenn nebst dem warmen Sommerwind eine Brise Pferdefäkalien ins Gesicht wehen? Die Fahrzeuge waren auf dem Weg zurück vom Pferderennen ins Dorf. Bei leichtem Regen erreichten wir den Start unserer nächsten Offroad-Route. Diese hat zuerst gar nicht so spektakulär angefangen, wurde jedoch aufgrund des vorhergehenden Regens zunehmend abenteuerlicher. Nach rund zwei Stunden trafen wir dann auch auf eine Stelle, wo wir uns zuerst nicht sicher waren, ob wir durchkommen würden. Auf unserer Seite war ein Pickup mit einem Pferd, auf der andere Seite war ein Toyota Prius, welcher schon ziemlich tief im Schlamm festgefahren war und ein kleiner Offroader, der ihn herausziehen wollte, es aber nicht schaffte. Der Pickup (ohne Allrad) getraute sich zuerst (berechtigterweise) nicht, mit dem Pferd durch den Matsch zu fahren. Hier muss vielleicht gesagt werden, dass der Toyota Prius, zwar DAS Auto der Mongolen ist – obwohl dieses alles andere als für den Offroad-Einsatz gedacht ist und kein 4×4 hat. Den Grund dazu erklären wir später.

Kurz nach uns kam auch ein Toyota Land Cruiser auf unserer Seite an der Schlammstelle an und erklärte sich bereit, den Prius auf der anderen Seite aus dem Schlamm zu ziehen. Dorian meinte nur, wenn es der nicht durch schafft, schaffen wir auch nicht auf die andere Seite. Leider hatte niemand ein Abschleppseil dabei, weshalb wir schnell unser Snatch-Strap (kinetisches Abschleppseil) zur Verfügung stellten. Das Fahrzeug war schnell geborgen – doch gleichzeitig fuhr sich der Pickup mit dem Pferd im Matsch fest. Also wurde auch dieser vom Land Cruiser herausgezogen. Ramona folgten den beiden und konnten ohne Hilfe und Probleme die Passage überqueren. Am anderen Ende der Schlammstrecke stellten wir fest, dass im Prius auf dem Beifahrersitz eine ältere Dame sass (man sieht nämlich bei den meisten Mongolen nicht, wer im Auto sitzt, da alle Scheiben ausser der Front getönt sind). Diese war sehr dankbar, dass wir bei der Bergung behilflich waren und bot uns Kekse und vermutlich warme vergorene Stutenmilch an (eine Delikatesse hier – jedoch nicht ganz unser Geschmack) – Marcel (mit ihm und Lara haben wir die Türkei und einen Teil von Georgien bereist) wird sich nun wohl ins Fäustchen lachen …

Dorian und unsere Utensilien waren nach der Rettungsaktion vom Schlamm paniert.

Aufgrund der beiden Bergungsaktionen sind wir viel zu spät an unserem geplanten Schlafplatz angekommen (Dorgon Nuur – ein riesiger See). Viele Mongolen hatten bei unserer Ankunft bereits ihre Campingzelte aufgeschlagen und verbrachten ebenfalls die Nacht dort. Dorian wusch im See sich selbst und unsere Rettungsutensilien, welche voller Schlamm waren, während Ramona das Abendessen vorbereitete.

Als wir am nächsten Morgen weiter fahren wollten, waren einige 100m weiter vorne zwei Toyota Prius (die erwähnten Nicht-Offroader) im Sand festgefahren. Der eine Prius wollte den anderen bergen, was leider nicht das gewünschte Ziel erbrachte. Da durch den gescheiterten Rettungsversuch, das normale Seil dermassen gespannt war, konnte man dieses auch nicht mehr lösen. Schnell holten wir das frisch geputzte Abschleppseil und hingen unser Auto an den zwei festgefahrenen Autos an. Für unser Büssli war das Ganze kein Problem. Wir konnten beide Fahrzeuge gemeinsam bergen und wurden von den Familien der beiden Prius-Fahrern mit Applaus gefeiert. Als Dankeschön schenkten sie uns Kekse. Wie könnte es anders sein, waren auch die wohl auch aus gegorener Stutenmilch, nur diesmal in getrockneter Form. Wir bissen rein – resp. fast die Zähne aus, denn die waren etwa wie 10 Jahre alte „Änischräbeli“. Dabei lachte uns einer der Mongolen aus und meinte nur, ob wir dies das erste Mal probieren würden. Die Kekse werden nicht gebissen, sondern gelutscht. Nun zum Geschmack: Wir waren sehr froh, haben wir nur je eins der Kekse bekommen und nicht den ganzen Sack, den sie in der Hand hielten.

Weiter fuhren wir durch – Heidi Richener hat’s auf den Punkt gebracht: – unendliche Weiten. Wir sahen Sanddünen, schöne Seen und einfach schöne Natur in totaler Einsamkeit. Bis hierher vielen uns nebst all dem Schönen, zwei (unschöne) Sachen besonders auf: Fast alle Kilometer trifft man auf leere Wodkaflaschen und tote/verweste Tiere am Wegrand.

Bald lernten wir das erste, sehr abgelegene Dorf kennen (Taishir). Mittendurch führte eine geteerte Strasse. Die Wege zu den Häusern waren jedoch aus Erde und Schlamm. Die öffentlichen Gebäude in diesem Ort sahen zum Teil eher modern und neu aus. Mitten im Dorf sahen wir dann einen Mann am Boden liegen. Dorian stieg aus und schüttelte ihn – keine Reaktion. Nach einem eher nervösen, weiteren Versuch den Mann zu rütteln (wir dachten schon, dass es sich um eine Leiche handelt), regte er sich dann doch noch und war „lediglich“ sturzbetrunken. Er signalisierte uns, dass seine Frau ihn in diesem Zustand nicht in die Jurte lassen würde.

Am Ende des Dorfes befand sich eine kleine „Tankstelle“, welche wir gerne nutzten. Die Zapfsäulen befanden sich in einem kleinen eisernen Schuppen. In diesem Container musste anschliessend auch bezahlt werden. Da es nebst der Zapfsäule dort drin auch sehr stark nach Benzin und Diesel roch, waren wir froh, die Tankstelle ohne Zwischenfälle und schnell verlassen zu können – die Explosionsgefahr machte uns ziemlich nervös. Wir würden jedenfalls nie auf die Idee kommen, dort das Licht anzustellen. Bei Booten muss man ja beispielsweise etwas lüften, bevor man nach dem Tanken den Motor starten sollte, da man sonst beim Start ungewollt schwimmen gehen könnte.

Der nächst grössere Ort war Altai. Hier wollten wir unsere Essens-, Wasser- und Geldvorräte auffüllen. Alle drei Vorhaben erwiesen sich jedoch als durchaus als schwierig. Wie wir später feststellen sollten, war auch hier, wie im gesamten Land, die Auswahl an Lebensmittel in den Einkaufsläden extrem begrenzt. Ausser Kartoffel, Zwiebeln und Weisskohl findet man praktisch kein Gemüse (frisch schon gar nicht). Ein paar kleine, labbrigen Äpfel sowie Orangen waren die einzigen Früchte, welche gekauft werden konnten. Der restliche Laden bestand mehr oder weniger aus Fertigprodukten, Dosenfutter, enorm vielen Chips und Softdrinks. Obwohl wir zwei Bäckereien aufgesucht hatten, konnten wir auch kein einziges Brot finden – verkauft wurden lediglich Süssgebäcke.

Auch die Suche nach Bargeld erwies sich als schwierig. Nachdem wir erfolglos drei Bankomaten angefahren hatten – versuchten wir es direkt bei einer Bank. Hier konnte jedoch auf einmal nur maximal umgerechnet CHF 17.00 bezogen werden. Weil wir aufgrund dessen vier separate Barbezüge machen mussten, wurde die Schlange hinter uns auch immer wie länger. Jeder Versuch, mehr als den vorgeschlagenen Betrag abzuheben, scheiterte. Hier ist es übrigens normal, dass einem über die Schulter geschaut wird, wenn man den PIN seiner Bankkarte eingibt (egal, ob im Einkaufsladen oder am Bankomat). Teilweise wird der PIN Code sogar dem Tankwart oder dem Kellner im Restaurant zugeschrien.

Weiter ging es auf die Suche nach Trinkwasser. Da die meisten Häuser hier keinen eigenen Wasseranschluss haben, gibt es in den Dörfern sogenannte Wasserhäuser. Hier können die Einheimischen gegen Bezahlung ihr Trinkwasser in Kanister abfüllen lassen. Unser Problem war jedoch, dass wir keine „Wasserkarte“ für die Bezahlung des Wassers hatten. Wir fragten uns durch das Dorf durch – jedoch erfolglos. Keine/r sprach Englisch und unsere Übersetzerapp scheint hier eher schlecht als recht zu funktionieren. Wir beschlossen die nächste Offroad-Tour trotzdem zu starten (mit noch 4 Liter Restwasser), da nach rund 100 km ein grosser Fluss auf der Karte eingezeichnet war.

Die Tour startete nicht gerade vielversprechend, da wir durch öde und trockene Sandlandschaften fuhren. Wir begegneten Kamelen mit halbvollen Höckern und die Strasse wurde immer staubiger. Aus Angst kein Wasser zu finden fingen wir an, unser Wasser zu rationieren und zu witzelten, wie lange man ohne zu trinken überlebt. Wie sich herausstellte, war die Entscheidung weiterzufahren, die Richtige. Nach rund 100 km trafen wir auf einen der schönsten Plätze auf unserer bisherigen Reise. Plötzlich standen wir vor einer grünen Oase mit einem glasklaren Fluss, welcher sich durch die sonst so öde Landschaft schlängelte. Eine Pferdeherde stand am Flussufer und vergnügte sich im kühlen Nass. Wir nutzten die Gelegenheit, um ausgiebig zu duschen und unseren Trinkwasservorrat aufzufüllen (Filtersystem sei Dank). Nachdem wir anschliessend die Furte überquert hatten, entschieden wir uns an diesem mystischen Platz zu übernachten. Wir genossen den Nachmittag und die Einsamkeit mit Sonnenschein. Nach drei Stunden war es aber vorbei mit der Ruhe. Drei Autos vollgepackt mit Leuten und jede Menge Zeug (wie der Mongole halt so unterwegs ist) überquerten die Furte und stellten neben uns ihre Zelte auf. Als die Sonne unterging, verschwanden wir dann ins Auto, wobei es kurz darauf bereits an unserer Tür klopfte. Zwei Frauen und ein paar Kinder standen davor und streckten uns ein Teller mit Essen entgegen. Eine der Frauen konnte etwas Englisch und erklärte uns, dass es sich um „Khorkhog“ handle, einer mongolischen Spezialität aus Schafsfleisch. Im Essen werden heisse Steine platziert, damit das Fleisch möglichst zart gegart wird. Nach dem Essen brachten wir den Teller zurück und verbrachten einen interessanten und lustigen Abend mit der Gruppe am Feuer. Für sie alle war es unbegreiflich, wieso wir aus der Schweiz in die Mongolei reisen. Alle hatten aber sichtbar Freude, dass wir an ihrem Land sowie ihrer Kultur interessiert sind. Sie sangen für uns sogar ein Lied, welches wir für unser Blogvideo verwenden durften. Eines der Kinder stand immer ganz nah bei uns und berührte uns immer wieder – bis uns erklärt wurde, dass es das erste Mal sei, wo sie „Menschen wie uns“ sehen. Damit gemeint war, dass sie noch nie Kontakt mit Europäern – und unserem Aussehen – hatten. Obendrein wurde uns erklärt, dass es bei ihnen normal sei, dass sie einige Stunden mit ihren Autos ins Nirgendwo fahren, um dort zu Zelten (einige Stunden in diesem Kontext heisst: Einige von ihnen kamen aus Ulaanbaatar und hatten eine Anreise von 12h).

Als wir am nächsten Morgen aufstanden war es, als wäre nie jemand anderes ausser uns an diesem Platz gewesen – alle Zelte abgebaut, alles sauber und weggeräumt. Nach dem Frühstück wollten auch wir weiter fahren, da kamen schon zwei neue Autos angefahren. Innert wenigen Minuten hatten auch sie ihre Zelte aufgestellt und standen um unseren Bus herum und wollten wissen, was wir hier machen würden und uns zum Essen einladen. Wir lehnten dankend ab, worauf sie uns Bier, Eistee und Cola für die Weiterreise schenkten – ablehnen war nicht möglich.

Entlang des Otgon Tender (dem höchsten Berg des Changai Gebirges — 4021 m.ü.M.) führte uns die nächste Tour. Wir fuhren durch ein wunderschönes Tal mit verhältnismässig vielen (einheimischen) Touristen und überquerten mehrere Furten, wobei wir bei der letzten ausgestiegen sind und zuerst einem anderen Auto zuschauen wollten, da diese tief und die Steine eher gross waren. In den folgenden Minuten haben uns nur noch Popcorn gefehlt. Das erste Fahrzeug (ein Toyota Prius) fuhr mit mehr Glück als Verstand durchs tiefe Wasser. Gefolgt wurde er von einem Toyota Land Cruiser, welcher natürlich keine Probleme hatte. Das dritte Fahrzeug (ebenfalls ein Toyota Prius) fuhr sich aber prompt mitten im Fluss fest und das darauffolgende Fahrzeug konnte nicht ausweichen und kam ebenfalls keinen Schritt mehr weiter. Wir hatten unser Abschleppseil schon ausgepackt, doch der Land Cruiser war schneller und hat die beiden nacheinander aus dem Fluss gezogen. Sie warteten freundlicherweise bis auch wir den Fluss überquert hatten – was aber zum Glück ohne Probleme funktionierte. Unsere Fahrt führte ab da, einem abgelegenen Tal entlang auf einen Pass – für uns war dies eine der schwierigeren Routen, welche wir bisher befahren hatten. Viele Stellen konnten nur passiert werden, indem Ramona von aussen schaute, wie gesteuert werden muss, um keine spitzigen Steine zu treffen oder auf grossen Steinen hängenzubleiben. Ausserdem mussten wir schräge Passagen überwinden, wo uns beiden dabei anders wurde. Wir wetten, dass bis an dieser Stelle, noch nie so fest an den Handgriffen (auch als Angstgriff bekannt) des Autos gezogen wurde. Oben angekommen, genossen wir erst einmal die Aussicht. Als uns ein anderes Fahrzeug entgegenkam, hielt dieses an und erkundigte sich, ob bei uns alles in Ordnung sei (auch dies ist hier ganz normal).

In den folgenden Tagen besuchten wir unter anderem den Chorgo Uul Vulkan, den Chuluut Canyon und den Orkhon Wasserfall. Beides (Vulkan und Wasserfall) sind Touristenattraktionen, welche man hier aber (wie üblich) nur über Offroad-Strecken erreichen kann.

Nach einem kurzen aber steilen Anstieg erreichten wir den Vulkankrater. Der Vulkan ist seit 7200 Jahren inaktiv. Vielmehr gab es hier aber dann auch gar nicht zu sehen, weshalb wir am Canyon vorbei weiter zu dem Orkhon Wasserfall fuhren. Die Anfahrt führte Offroad, durch eine malerische Landschaft, viele Furten, vorbei an Yak- und Schafherden. Der Ort hatte viele einheimische Touristen und war für uns natuverwöhnten Schweizer zwar schön, aber nichts Besonderes.

Wir wollten am nächsten Morgen ein Goldgräbertal durchqueren. Unterwegs trafen wir einen älteren Mann mit seinem Motorrad. Er hatte unterwegs sein vorderes Ritzel verloren und kam deshalb nicht mehr weiter. Nach einer kurzen Suche hatte Ramona es weiter vorne auf der Strasse gefunden und wir konnten ihm mit unserem Werkzeug sein Motorrad reparieren. Er war sichtlich dankbar, dass wir ihm halfen. Natürlich haben wir auch von ihm die „leckeren“ Stufenmilch-Kekse erhalten. Indem wir „nicht verstanden“, dass er uns den ganzen Sack schenken möchte, erhielten wir „leeeeeider“ nur je einen Keks. Er signalisierte uns, dass wir umdrehen sollen, da es in den letzten Tagen ziemlich stark geregnet hatte und der Weg weiter vorne deshalb nicht mehr befahrbar sei. Deshalb entschlossen wir uns umzukehren und früher als geplant, nach Ulaanbaatar zu fahren. Wir übernachteten in einem Vorort der Hauptstadt, in einem Waldgebiet am Fluss. Am nächsten Morgen hörten wir bereits von weitem, dass sich wohl jemand im Matsch festgefahren hatte. Also zogen wir los, um zu helfen. Wir zogen den kleinen Camion ohne Mühe aus dem Matsch und der Besitzer war sehr erfreut.

In der Stadt wuschen wir unsere Wäsche, kauften unsere lang ersehnten frischen Früchte und frisches Gemüse sowie Käse und verbrachten einen gemütlichen Abend im Hard Rock Café. Da wir planten, in der kommenden Woche nach Gobi zu fahren, liessen wir ausserdem unser Fahrzeug in einer Toyota-Garage checken – wir hörten während der anspruchsvolleren Offroad-Fahrt nämlich immer wieder ein „neues“ Geräusch. Für umgerechnet CHF 20.00 checkte ein Mechaniker das Fahrzeug und schaute sich mit Dorian alles an. Die Ursache konnte eruiert werden und war für die Weiterfahrt nicht von Relevanz.

Nördlich von Ulaanbaatar gibt es einen Nationalpark, welchen wir besuchen wollten. Aufgrund plötzlich aufgekommenen, starken Regenfällen entschlossen wir uns den Offroad-Aufstieg jedoch noch am selben Abend abzubrechen. Bei der Rückfahrt (ohne je im Nationalpark angekommen zu sein), hatten viele Einheimische bereits grosse Mühe durch den Schlamm zu kommen. Mit ihren Autos ohne Allrad, blieben sie wie die Hängebauchschweinchen im Schlamm stecken. Als wir eine Stunde zuvor den Weg hochgefahren waren, war der Weg noch ohne Probleme und Matsch befahrbar. Da der Boden kein Wasser mehr aufnehmen konnte, wurde es zu einer regelrechten Rutschpartie. Unsere Entscheidung umzudrehen erwies sich als richtig.

Aller guten Dinge sind drei. So zogen wir einen nach dem anderen zurück auf festen Untergrund. Ein junger Mongole war besonders dankbar. Er hatte ein sehr heruntergekommenes Fahrzeug und offensichtlich nicht viel Geld. In der Dunkelheit fuhren wir den matschigen Weg den Berg hinunter zurück Richtung Stadt. Der junge Mann fuhr uns hinterher, überholte uns sehr schnell, sprang weiter vorne aus dem Fahrzeug und rannte in den einzigen Laden weit und breit. Er überholte uns später nochmal. Im Laden hatte er eine Tafel Schokolade für uns gekauft, welche er uns schenken wollte. Einmal mehr machten wir die Erfahrung, dass die, welche eigentlich am wenigsten haben, einem am meisten Dankbarkeit entgegenbringen.

Statt dem Nationalpark statten wir am nächsten Tag der imposanten Tschingis-Khan Statue einen Besuch ab. Sie ist komplett aus Edelstahl gefertigt und riesen gross. Wir konnten innerhalb der Statue bis zum Hals des Pferdes hochlaufen (siehe Foto) und Tschingis-Khan in die Augen schauen.

Mit gefülltem Wassertank, frisch geduscht und geputzten Abschlepputensilien fuhren wir, durch Windows 98 Hintergrundbild anmutende Landschaften, nach Arvaicheer weiter. Dort startete unsere nächste Offroad-Tour. Die Nacht verbrachten wir einige Kilometer vor dem Ort an einem schönen Fluss. Kurz vor dem Eindunkeln gesellte sich eine mongolische Familie mit ihrem Zelt neben uns und bat uns den Abend mit ihnen zu verbringen, was wir natürlich gerne taten. Sie gaben uns verschiedene Speisen zu kosten (Urum, Aarul, Milchtee). Am Ende des gemütlichen Abends schenkten sie uns eine Flasche mongolischen Vodka, Aarul (die sauren Milchkekse) und eine Packung Milchtee. Fun fact: hier kann man Bier in grossen braunen Petflaschen kaufen. Sie erklärten uns, dass sie diese liebevoll „brown cow“ (braune Kuh) nennen, da der untere Teil der Flasche jeweils wie das Euter einer Kuh aussieht. Für uns war es ein wunderschöner Abend mit dieser rührenden Familie.

Wir fuhren durch die Wüste Gobi in Richtung der Sanddünen (Khongoryn Els). Anders als die Sahara, besteht Gobi nicht ausschliesslich aus Sand, sondern nur ein kleiner Teil von ihr. Wir sahen absolut sehenswerte Gebiete, die jedoch zum Teil für unseren Geschmack etwas zu touristisch sind. Es war das erste Mal in unserem Leben, wo wir Sanddünen sahen und befuhren. Etwas aufgeregt starteten wir, nachdem wir Luft aus den Reifen gelassen hatten, in das nächste Abenteuer. Das Auto meisterte einmal mehr alles mit Leichtigkeit. Es ging steile Sanddünen hoch und runter. An einem wunderschönen Aussichtspunkt konnten wir über all die Dünen blicken und machten eine kurze Pause, um den Moment zu geniessen. Erklären wollen wir den Moment nicht genauer, sondern lassen lieber die Bilder sprechen. 

Da wir wussten, dass der zweite Teil des Rundkurses weniger befahren (und weniger touristisch) ist, schrieben wir eine Nachricht an einen Freund von uns und teilten ihm den Standort und unseren Plan mit. Falls wir eine Panne hätten, wüsste so jemand, dass wir Hilfe benötigen würden. Handyempfang ist an diesen Orten eher unwahrscheinlich und Pannen können bei der unerbittlichen Hitze sehr schnell zum grösseren Problem werden.

Der Weg wurde aufgrund der Verwehungen der Sanddünen immer weniger sichtbar, bis er ganz unter dem Sand verschwand. Nach einigen Kilometern fuhren wir uns dann auch im Sand fest, konnten uns jedoch ziemlich schnell und selber freigraben und weiterfahren. In diesem Moment realisierten wir auch, dass unser Vorhaben nicht ganz ungefährlich ist. Es waren noch rund 10 km bis wir wieder an einer befahrereren Strasse stehen würden. Um uns nicht mehr festzufahren, zogen wir das Tempo deshalb etwas an und fuhren von einer Düne über die nächste. Ungeahnt und plötzlich wurde es während der Hochfahrt auf eine der Dünen sehr gefährlich: Die anfänglich vermeintlich einfach zu befahrene Düne stellte sich, zu unserer beider Überraschung, als extrem steil heraus. An diesem unangenehmen Punkt war uns aber beiden klar, dass weder die Hochfahrt zu unterbrechen noch abdrehen eine Option ist, da die Gefahr sehr gross wäre, dass sich bedingt durch die extreme Steillage, das Fahrzeug überschlagen könnte. Somit blieb uns nichts anderes als die Flucht (mit Vollgas) nach vorne. Leider war die Düne nicht, wie zuerst von uns angenommen, auf der anderen Seite abgeflacht, sondern ging genauso steil hinunter wie hinauf. In den nächsten Sekunden flogen wir wortwörtlich einige Meter über den Dünenkamm und blieben einige Meter weiter unten stecken. Während des starken Aufpralls riss die Wucht den Dachträger vom Fahrzeug und er überholte uns mit Getöse. Ein lauter Knall und alles war still. Das iPhone von Dorian löste die Autounfallerkennung aus, welche wir abbrachen, da wir nach ersten Erkenntnissen beide unverletzt waren.

Wortlos sahen wir beide den Dachträger, der vor uns am Boden lag an und realisierten, dass wir nun in einer sehr unangenehmen Situation waren. Wir verbrachten innert wenigen Stunden so viele Höhenflüge (in jeder Hinsicht) wie noch nie zuvor auf dieser Reise.

Zum Glück waren noch alle Reifen auf den Felgen und das Auto liess sich ohne Probleme starten. So waren wir zumindest in der Hinsicht beruhigt, dass wir wohl wieder aus den Dünen herausfahren können. In einem Anflug an Panik, Adrenalin und Verzweiflung versuchten wir dennoch einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir waren uns einig, dass es keine Option ist, den Dachträger zurückzulassen. Zu viel wichtiges Material hatten wir darauf befestigt, welches nicht im Innern des Fahrzeuges Platz gefunden hätte. Also musste dieser wieder aufs Auto, doch wie?

Den Dachträger konnten wir zu Hause nie zu Zweit (ohne Gepäck) auf das Auto heben, da er schlicht zu gross und zu schwer dafür war. Nun hatten wir keine andere Wahl. Wir entledigten ihn so weit es ging allen schweren Sachen, um überhaupt ein Hauch einer Chance zu haben, ihn zu Zweit wieder aufs Dach heben zu können – was wir dann glücklicherweise auch knapp geschafft haben. Leider mussten wir feststellen, dass die zwei hintersten Befestigungspunkte komplett gebrochen waren. Was hiess, dass wir uns von jedem unnötigen Gewicht (also unserer Terrasse) verabschieden mussten. Der ganze Dachhimmel am Auto war zudem aufgrund des Flugs extrem zerkratzt und verbeult und die Spur schien verstellt zu sein. Zwei Stunden nach dem Vorfall konnten wir die Dünen dann doch verlassen und suchten uns einen Übernachtungsplatz. Der Abend war gleichermassen beklemmend, als auch wunderschön. Der Sonnenuntergang hinter den Dünen, später der glasklare Sternenhimmel und die eindrückliche Milchstrasse über dem Nachthimmel waren unbeschreiblich.

Wir waren dankbar, dass wir „nur“ mit einem Sachschaden davon kamen und uns nichts passiert ist. Unser Büssli hat uns einmal mehr nicht stehen gelassen!

Für uns war klar, dass wir zurück in Richtung Hauptstadt fahren wollen, um alles zu prüfen und uns wieder zu reorganisieren. Auf dem Weg, füllten wir unseren Trinkwassertank in einem kleinen Dorf. Da wir keine „Wasserkarte“ für das Wasserhaus hatten, lehnte uns ein Einheimischer seine eigene – wollte uns aber im Anschluss das Wasser schenken. Als wir ihm von unserem Vorfall in den Dünen und dem kapputen Dachträger „erzählten“, rief er direkt zwei Personen an und fragte, ob uns jemand bei den Schweissarbeiten behilflich sein kann. Leider war zu diesem Zeitpunkt niemand im Dorf, weshalb wir mit ihm, seiner Frau und seinem Sohn zu ihm nach Hause durften, wo er in seiner spärlich eingerichteten Garage nach Ersatzteilen für uns suchte. Leider konnte er uns nicht weiterhelfen, wir waren jedoch einmal mehr begeistert von der Hilfsbereitschaft der Mongolen.

Zurück in Ulaanbaatar vereinbarten wir einen Termin für den nächsten Tag (Sonntag, 14.00 Uhr) bei der Toyota Garage, um die Spur einzustellen und das gesamte Fahrzeug für die „Heimreise“ noch einmal zu überprüfen.

Als wir am Abend auf unserem Übernachtungsparkplatz standen, wurden wir plötzlich von einem älteren mongolischen Päärchen angesprochen, welche in den 90er Jahren nach Amerika ausgewandert waren. Sie boten uns an, bei ihnen im Apartment zu duschen. Es war auch das erste Mal, dass wir Abends um halb elf bei jemandem den wir neu kennen gelernt hatten geduscht haben. Wir hatten ein angenehmes Gespräch bei einem Bier in ihrem Wohnzimmer.

Den Dachträger konnte uns die Toyota Garage am nächsten Tag leider nicht reparieren, weshalb wir ihn selber versuchten so gut es ging zu fixieren. Wir waren jedoch froh, dass sich ein Mechaniker die Zeit genommen hatte, das gesamte Fahrzeug zu prüfen und die Spur einzustellen – dies alles für umgerechnet CHF 30.00 und 2 Stunden Aufwand (an einem Sonntag).

Die Rückreise an die Grenze führte uns durch den nördlichen Teil der Mongolei, welcher noch einmal ganz anders aussah als der Rest des Landes. Unsere zweitletzte Nacht verbrachten wir am Chjargas Nuur, einem riesigen (gemäss Wikipedia 1360 km²) Salzsee ohne Abfluss. Unser Plan war es, am nächsten Tag auf einer befestigten Strasse zur Grenze fahren können. Leider wussten wir nicht, dass uns die Offroad-Abenteuer in der Mongolei noch nicht loslassen würden. Anders als angenommen, bestand die Route auf den letzten 150 km aus Offroad-Piste, die fast nur aus Wellblech bestand.

50 km vor dem letzten Stück geteerter Strasse, standen wir dann vor einem reissenden Fluss. Wir hatten diesen bereits erwartet, da auf der Karte eine Furte eingezeichnet war. Auf der anderen Flussseite stand eine mongolische Familie mit ihrem Toyota Land Cruiser. Weder sie noch wir getrauten sich den ersten Schritt zu machen und den Fluss zu überqueren. Nach einem kurzen Gespräch (Geschrei) über den Fluss, teilte uns der englisch sprechende Mongole mit, dass er einen Local angerufen hat, welcher uns einen möglichen Weg für die Flussüberquerung zeigen wird. Rund 20 Minuten später, traf dieser dann auch auf unserer Flussseite ein und sowohl der Land Cruiser als auch wir konnten weiter fahren. Dies war einer der tiefsten Flüsse, welche wir bisher überquert hatten. Zu Fuss durchzulaufen, wäre hier ohne zu schwimmen nicht möglich gewesen.

Einige Kilometer weiter vorne war es dann extrem matschig und wir konnten nicht mehr sicher erkennen, wo der ursprüngliche Weg verlief. Zum Glück fuhren zwei Männer auf einem Motorrad in dieselbe Richtung. Mit Händen und Füssen erklärten wir ihnen, dass wir nicht wissen, wo wir durchfahren müssen, geschweige denn wie wir fahren müssen, ohne Stecken zu bleiben. Freundlicherweise fuhren sie voraus und zeigten uns immer wieder den Weg. Die armen Männer wurden währenddessen von tausenden Mücken förmlich aufgefressen. Der restliche Weg führte uns durch ein wunderschönes Tal, durch welches ein sauberer Fluss schlängelte, viele Pferde und Kühe weideten und einige Mongolen ihre Jurte aufgeschlagen hatten. Etwas wehmütig, dass unser Abenteuer Mongolei nun bald zu Ende sein wird, genossen wir die letzten Jurten, winkenden Kinder und Offroad-Kilometern in der einzigartigen Natur umso mehr. Am nächsten Morgen hiess es für uns dann „Abschied nehmen“. Bei der letzten Tankstelle vor der Grenze füllten wir noch einmal unseren Benzintank, als uns ein Mann ansprach, ob wir nicht noch mongolische Tögrög in russische Rubel wechseln möchten. Ramona handelte mit dem Herrn einen für uns günstigen Wechselkurs aus. Anschliessend teilte er uns mit, dass er am Zoll arbeiten würde (was wir ihm zu diesem Zeitpunkt nicht glaubten). An der nächsten Kreuzung wurden wir dann auch noch von der Polizei kontrolliert, welche uns scheinheilig etwas Geld abknöpfen wollte – jedoch erfolglos. Ein kurzer Stopp und freundliche Bauarbeiter später reihten wir uns in der Warteschlange am Zoll ein. Dort trafen wir auch wieder auf den Typen von der Tankstelle, welcher uns sagte, dass sein Bruder einige Abzeichen mehr auf der Jacke hätte (höhere Rangabzeichen) und er ihm mitgeteilt hat, dass er uns nicht kontrollieren, sondern direkt passieren lassen soll. In der Warteschlange vor dem Zollhäuschen lernten wir dann Erkin und Asyl (Vater und Tochter) aus der Türkei kennen. Mehr dazu folgt im nächsten Blogpost. Die Formalitäten gingen sehr schnell, unser Fahrzeug wurde tatsächlich nicht überprüft und wir erhielten den obligatorischen Stempel für die Ausreise. Ein letztes Lächeln schenkte uns die Mongolei, als wir beim Verlassen des Zolls sahen, dass bei den einreisenden Fahrzeugen die Reifen mit einer Rückenspritze tatsächlich desinfiziert wurden.

Glücklich und dankbar für all die netten Begegnungen und die wunderschöne Zeit in der Mongolei schliesst sich hier ein Kapitel für uns. Wir sagen: „bayarlalaa“ (DANKE!)

Fazit der zehnten Etappe:

Die beschränkte Auswahl an gesunden und frischen Lebensmitteln wurde für uns sogar zum Problem und bereitete uns grosse Sorgen. Wir hatten am Ende unseres Aufenthaltes, Vitamin-Mangelerscheinungen und plötzlich Angst, dass wir dies nicht mehr in den Griff kriegen würden (wie auch?). Denn nebst den körperlichen Lappalien als Folge verheilte eine vermeintlich kleine Schramme an Ramonas Finger gar nicht mehr und entzündete sich zudem plötzlich stark. Noch während dem Schreiben dieses Artikels ist sie alles andere als verheilt und für uns ist es nicht erklärbar, dass die Mongolen so überleben können. In unseren Augen müsste das ein Volk sein, welches an chronischem Vitaminmangel leidet. Von jetzt an werden wir uns immer an unseren vollen und frischen Gemüse- und Früchteregalen in der Schweiz erfreuen – soviel ist klar. Wir haben verzweifelt versucht unsere Körper mit wenig „saurer“ Ernährung, Alkoholverzicht und Vitamintabletten wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Falls ihr also einmal die Mongolei besucht, sind Vitamintabletten sicher ein gutes Mitbringsel.

Für uns hat sich das Nomadenleben sehr in der Verhaltensweise der Mongolen manifestiert. Hier wird einander geholfen, Abfall wird meistens mitgenommen und weggeräumt, wenn man einen Platz verlässt (dass es keine Abfallverbrennungsanlage gibt, ist ein anderes Thema), das Jedermannsrecht wurde bisher nirgends so gelebt wie hier und die meisten Häuser und Jurten hatten weder eine Toilette, wie wir sie kennen, noch haben sie fliessendes Wasser. Sie leben zudem als perfektionierte Minimalisten – die Mongolen verstehen es, das Wichtigste in ihrem Kofferraum mitzuführen, weshalb bei einer Panne auch immer zuerst der ganze Kofferraum leergeräumt wird, bevor man das Ersatzrad findet. Zum Thema Auto fahren kann war für uns ausserdem unverständlich, wieso Babys und Kleinkinder immer auf dem Schoss des Beifahrers oder sogar Fahrer mitgeführt werden und angeschnallt ist sowieso niemand hier. Einige Kinder standen während den Offroad-Fahrten in den Fahrzeugen und schauten zum Dachfenster oder Seitenfenster raus.

Ein weiteres Problem der mongolischen Strassenverkehrsteilnehmer ist ausserdem, dass viele ihrer Fahrzeuge rechts gelenkt sind, jedoch im ganzen Land Rechtsverkehr herrscht. So kommt es oft zu gefährlichen Überholmanövern. 

Finanzielle Mittel haben die meisten der Mongolen praktisch keine. Hirten haben zwar sehr grosse Herden, jedoch lässt sich damit kaum mehr Geld verdienen. Die meisten Jungen versuchen in Ulaanbaatar eine andere Zukunft aufzubauen, weshalb die richtigen Nomaden wahrscheinlich früher oder später aussterben werden. Zu Ulaanbaatar kann gesagt werden, dass uns die Stadt selber nicht wirklich gefiel. Abgesehen davon, dass sie viel zu schnell am Wachsen und mit der ganzen Verkehrsflut überfordert ist, war der Smog erdrückend.

Die Natur, wie wir sie hier angetroffen haben, war für uns einzigartig und wundervoll. So viel Platz, der nicht bebaut ist und soviel Diversität hatten wir bisher noch in keinem anderen Land gesehen. Die karge Landschaft lässt jedoch, abgesehen von den wenigen Bodenschätzen des Landes, keine Bewirtschaftung zu. Das Strassennetz ist sehr bescheiden, wobei es wohl in den letzten Jahren schon sehr ausgebaut wurde – was nicht heisst, dass die Strassen nicht immer noch sehr schlecht sind. Und wenn es „neuere“ Strassen hatte, führen diese nur in einzelne grössere Orte, oder durch einen Ort hindurch, aber nicht zu den einzelnen Häusern.

Das Kultauto der Mongolen ist der Prius, weil er aufgrund von steuerlichen Vorteilen für sie extrem erschwinglich gemacht wurde. Lasst euch nicht täuschen, die Mongolen fahren damit mehr Offroad, als sich mancher Schweizer Offroad-Autofahrer getrauen würde. In der Mongolei trifft man auf Offroad-Pisten immer wieder auf die doch eher hässlichen Autos. Wir waren mehrfach erstaunt, wie weit die kommen ohne 4×4.

Wie der Prius ist wohl das zweithäufigste Auto der Toyota Land Cruiser oder das Pendant von Lexus (Luxusmarke von Toyota). Das Auto ist hier so oft vertreten, dass wir uns fragten, ob die Leute hier die Wände mit Geld tapezieren (definitiv nicht der Fall) oder wie sie sich das Auto leisten können. Jedenfalls macht es durchaus Sinn, diesen taffen Offroader hier zu kaufen – wenn man denn kann. Eine Hürde, die ein Land Cruiser nicht überwinden kann, kann auch kein anderes Auto.

Uns wurde ausserdem täglich vor Augen geführt, dass es nicht selbstverständlich ist, Handyempfang zu haben. Längst haben wir die Zeiten vergessen, wo wir noch mit ausgestrecktem Arm nach besserem Empfang gesucht haben. Unser Bizeps wurde hier aber wieder rege trainiert. 

Unser Strassennetz in der Schweiz sollten wir mehr schätzen. Ländliche Überfahrten, welche bei uns kein Problem sind und beispielsweise 25 Minuten (Roggwil-Huttwil) dauern, können hier durchaus 1.5 Stunden oder mehr in Anspruch nehmen. Je nach Wetterverhältnissen wäre eine Überfahrt sogar ganz unmöglich, da jeder Bach gefurtet werden müsste und da das Wellblech mit jedem Auto, welches darüber fährt, noch schlimmer gemacht wird. Der Arbeitsweg von Ramona könnte je nach Strassenverhältnissen in der Mongolei durchaus zu einer Tagesaufgabe werden.

Unser heimlicher Star der mongolischen Tierwelt waren die Yack’s/Grunzochsen. Die fluffigen Tierchen sind sehr verspielt, trotzdem sehr urchig, zierlicher als unsere Kühe und niedlich schreckhaft.

Anders als tote Tiere am Strassenrand gibt es hier fast keinen westlichen/ausländischen Tourismus und dies schon gar nicht an abgelegenen Orten. Betreffend den Kadavern wurde uns gesagt, dass es sich um viele kranke und schwache Tiere handelt, welche die harten Gezeiten (extrem heisse Sommer und extrem kalte Winter in Kombination mit Essens- und Wasserknappheit) nicht überleben.

Sanddünen können gefährlich sein.

Während einem Monat Aufenthalt im Land haben wir nicht eine unfreundliche Person angetroffen! Unsere Erwartungen wurden übertroffen und die Mongolei ist unser schönstes Land (mit allem drum und dran), welches wir bisher kennen lernen durften.