to view Istanbul

21. Mai - 29. Mai 2023

An der Grenze zur Türkei angekommen, konnten wir uns 800m vor der griechischen Grenzkontrolle einreihen. Cool, dachten wir, der Übertritt wird wohl nicht zu lange dauern. Leider haben aber die griechischen Zollbeamten, das Arbeiten wohl nicht gerade erfunden. Zwischenzeitlich wurde das Fenster vom Zollhaus einfach geschlossen und die Barriere blieb unten – wieso wusste niemand. Unterhaltung hatten wir aber jede Menge. „DränglerInnen“, welche die wartenden Autos überholten wurden angehupt. Aufgebrachte Frauen stiegen aus den wartenden Fahrzeugen und liefen zu den „Drängeln“ nach vorne. Es folgte ein aufgebrachter Streit. Nach rund vier Stunden hatten wir das Ganze dann doch noch hinter uns gebracht.

Am pompösen türkischen Zoll ging dann auch alles viel schneller und rund 20 Minuten später hatten wir auch diesen passiert.

Uns war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, dass wir länger in der Türkei bleiben werden, weshalb wir bei der ersten Möglichkeit eine SIM-Karte kaufen wollten.

In der duty free-Zone wurden wir auch bereits das erste Mal über den Tisch gezogen – wobei wir uns schlussendlich mehr über uns selber geärgert haben. Wir kauften nämlich ein 70GB Datenpaket, wobei das Kreditkartengerät „angeblich“ nicht funktionieren würde. Deshalb wurde alles in Euro abgerechnet (wo der Kurs schlechter war als bei der Bezahlung per Kreditkarte in türkischen Lira und eine Quittung ebenfalls nicht automatisch erstellt wird) und bar bezahlt. Und anders als sonst immer, haben wir nicht auf eine Quittung bestanden. Rund 15 Minuten und direkt nach der letzten staatliche Zollkontrolle später erhielten wir eine SMS, dass unser Guthaben von 50GB nun freigeschaltet sei.. wir stempeln dies als Lehrgeld ab (und ja Mami, du hast immer gesagt, dass man sich eine Quittung geben lassen soll).

An der nächstmöglichen Tankstelle füllten wir direkt unseren leeren Benzintank sogar ein wenig freudig. Wo der Liter in Griechenland zum Teil noch CHF 2.10 kostete, sind es hier knapp 90Rp.

Next Stop Istanbul: Wir haben lange auf diesen Aufenthalt gewartet. Bereits zu Hause in der Schweiz haben wir nämlich über eine Vermittlungsagentur Voruntersuchungen machen lassen und einen Termin für das Lasern unserer Augen am 23. Mai 2023 in der Augenklinik Birincigöz vereinbart.

Direkt nach der Ankunft konnten wir Gregy in der überwachten Tiefgarage parkieren und unser Patientenzimmer beziehen. Anschliessend ging es bereits mit straffem Programm (in ständiger Begleitung von unserem Dolmetscher Ahmet) mit den ersten Voruntersuchungen los. Diese wurden von zwei unabhängigen Ärzten nacheinander durchgeführt – sozusagen ein double check. Bei diesem Schritt wurden die genauen Dioptrien, Hornhautverkrümmungswerte, die Hornhautdicke und der Augendruck gemessen. Anhand dieser Werte wurde auch abgeklärt, was für ein Laserverfahren in Frage kommt. Die Werte unserer Augen waren so, dass wir zwischen zwei Verfahren auswählen konnten: iLasik oder das ältere PRK-Laserverfahren. Das Ergebnis beider Verfahren ist gemäss der Ärzte dasselbe – den genauen Unterschied erklären wir aber unter dem Abschnitt „Genauer Ablauf des Eingriffs“. So viel vorweg: wir sind froh, das neuere iLasik-Verfahren gewählt zu haben.

Als klar war, dass bei beiden von uns alle Voraussetzungen für eine Laserbehandlung gegeben sind, wurden wir gefragt, ob wir die iLasik-OP noch am gleichen Tag durchführen möchten oder lieber einen Tag später. Drei Stunden später waren wir beide zusammen „frisch“ gelasert. Der gesamte Eingriff selbst (für beide Personen) dauerte lediglich 30 Minuten.

Genauer Ablauf des Eingriffs:
Von Ahmet wurden wir in einen Vorraum des OP-Saals gebracht. Dort mussten wir Haarnetze aufsetzen, Schuhe und ein OP-Kleidungsstück anziehen. Anschliessend wurden unsere Gesichter mehrmals desinfiziert, pupillenweitende und betäubende Tropfen direkt in beide Augen gegeben und eine Beruhigungstablette verabreicht.

Direkt anschliessend wurde Ramona bereits in den OP-Saal gegenüber gebracht. Das ganze Gesicht wurde bis auf einen Augapfel mit einem klebenden Plastik abgedeckt. Anschliessend öffnete der operierende Arzt das Augenlid im offenem Zustand mit einer Schraubklemme und bewegten den OP-Tisch unter die Laservorrichtung. An diesem Punkt unterscheidet sich das iLasik vom PRK-Laserverfahren mit dem nachfolgenden Schritt.

Der Augapfel wurde für die Maschine von einer trichterförmigen Apparatur, welche stark gegen den Kopf gedrückt wurde, erreichbar gemacht/freigelegt. Bei diesem Schritt hatten wir das erste Mal ein ziemlich unangenehmes Gefühl, da der Druck um das Auge herum sehr stark war. Hier wurde der Laser das erste Mal verwendet damit mit einem horizontalen Schnitt in die Hornhaut des Augapfels, ein sogenanntes „Flap“ präpariert werden konnte. Anschliessend wurde das dünne Flap vom operierenden Arzt mit einem Instrument zur Seite geklappt. Man kann sich das Ganze so vorstellen, wie wenn man von einem Yoghurtbecher den Deckel löst, aber nicht ganz entfernt. Das offene Auge wurde dabei mehrmals gespült.

In einem nächsten Schritt wurde das Auge innert wenigen Sekunden gelasert und die Fehlsicht somit korrigiert. Dabei roch es lediglich etwas verbrannt. Direkt danach wurde das Flap wieder zurückgeklappt, mit speziellen Instrumenten wieder „angepinselt“ und eine unkorrigierte Linse zum Schutz des Flaps eingelegt. Unmittelbar danach wurde derselbe Ablauf mit dem zweiten Auge durchgeführt und es gab bereits einen Patientenwechsel – Dorian war an der Reihe und Ramona konnte im Zimmer neben an warten. Direkt nach unseren Eingriffen kontrollierten zwei Ärzte nacheinander das Ergebnis.

Bis hierhin hatten wir beide (mit Ausnahme des oben beschriebenen unangenehmen Gefühls) nichts schmerzhaftes verspürt, sahen jedoch beide sehr verschwommen, was uns aber schon vor dem Eingriff mitgeteilt worden war und normal ist. Wir bekamen beide eine spezielle Schutzbrille und wurden auf unser Zimmer begleitet, wo wir bereits einige Minuten später unser Abendessen (welches wir leider nicht genau erkennen konnten) erhielten.

Wir hatten rund 45 Minuten nach der OP das erste Mal brennende Augen – wie ein starkes „Schweissdoggeli“ – gefolgt von immer stärker werdenden Kopfschmerzen. Stündlich wurden uns Antibiotikatropfen und normale Augentropfen von der Krankenschwester verabreicht. Nach zwei Stunden erhielten wir ein Schmerzmittel, wobei die Kopfschmerzen in der folgenden halben Stunden nahezu unerträglich wurden. Dorian hätte zu diese Zeitpunkt alles für ein kühles Bier, gegen die Kopfschmerzen, gegeben.

Wo Ramona mit ständig geschlossenen Augen immer wie ruhiger wurde und nicht mehr wusste, welche Position am angenehmsten wäre, «tigerte» Dorian ununterbrochen im Zimmer und auf dem Gang herum um sich abzulenken.

Auf die Hörbücher, welche wir zur Vorbereitung extra heruntergeladen haben, hatten wir zu diesem Zeitpunkt beide keine Lust mehr.

Wir waren unglaublich dankbar, als das Schmerzmittel anfing zu wirken und wir vier Stunden nach dem Eingriff je eine Schlaftablette erhielten. Kurze Zeit später sind wir beide eingeschlafen und am nächsten Morgen unglaublich erholt und ohne jegliche Schmerzen aufgewacht. Völlig ungläubig standen wir gemeinsam vor dem Fenster und starrten auf die Strasse wie Kinder, welche das erste Mal im Zoo sind – wir konnten bereits fast so scharf wie „früher“ mit Brille sehen.

Gemäss unserem Arzt hätten wir beim PRK-Laserverfahren, wo direkt die Hornhaut ohne Flap korrigiert wird, diese Schmerzen ganze vier Tage lang gehabt. Unser Dolmetscher, Ahmet, meinte am nächsten Tag nur, dass es bereits Patienten gegeben hätte, die nach dem PRK-Laserverfahren den Kopf vor Schmerzen gegen die Wand geschlagen hätten. Wir hatten uns für das iLasik entschieden, weil wir uns bereits vor dem Aufenthalt in der Türkei mit den Verfahrenstechniken auseinandergesetzt hatten und wir diverse Erfahrungsberichte erhielten (tausend Dank Admira!).

Nach dem Frühstück erfolgte bereits der erste Kontrolltermin beim Assistenzarzt, wo unsere „Schutzlinsen“ entfernt wurden und unsere neue Seefähigkeit getestet wurde. Wir beide sahen auf je einem Auge bereits 100 %. Da uns aber der operierende Arzt selber noch einmal begutachten wollte, hatten wir zwei Tage nach dem Eingriff auch bei ihm noch einen Termin.

Während unserem Aufenthalt wurde uns freigestellt, wie viele Nachkontrollen wir wünschen. Deshalb entschieden wir uns am Samstag, vor unserer Abreise, noch einmal alles checken zu lassen.

Aus unserer Sicht, war je ein Auge noch nicht optimal (was sehr üblich sein kann in den ersten Wochen). Trotzdem nahmen sich noch einmal zwei Ärzte Zeit für uns. Bei Dorian wurde festgestellt, dass wahrscheinlich beim zurücklegen des Flaps etwas Luft eingeschlossen wurde. Aufgrund dessen nahm sich sogar ein dritter Arzt Zeit, seine Meinung zu bilden. Er hat uns empfohlen, das Flap noch einmal wegzuklappen, das Auge zu spülen und anschliessend das Flap wieder neu anzudrücken. Gesagt, getan. Eine Stunde später war der ganze Eingriff bereits schmerzlos durchgeführt worden. Da wir sehr flexibel sind, entschieden wir uns übers Wochenende in der Klinik zu bleiben und am Montag noch einmal einen Kontrollcheck beim Arzt zu machen.

Unser Fazit bisher: wir würden es beide wieder machen, da wir extrem an Lebensqualität gewonnen haben. Zudem können wir die Behandlung in Istanbul sehr empfehlen, da wir uns sehr ernst genommen fühlten, die Behandlung professionell und vor allem steril vorgenommen wurde und sich die Ärzte sehr viel Zeit für Kontrollen und unsere Anliegen genommen haben. Ausserdem hatten wir keine Mehrkosten für unseren verlängerten Aufenthalt.

Falls sich jemand überlegt, seine Augen in Istanbul lasern zu lassen, würden wir folgende Punkte empfehlen: wenn möglich iLasik dem PRK-Laservorgang bevorzugen (auch dann werden die ersten vier Stunden werden kein Vergnügen werden), genügend Zeit für Nachkontrollen einplanen und eine davon nach rund drei Tagen vornehmen lassen  (Eingriff an einem Montag), genügend sanfte Nastücher mitnehmen (nach der OP lief die Nase in den ersten Stunden ohne Unterbrechung), OP-Zeitpunkt möglichst spät am Abend (wegen dem Tageslicht und einem schnellen Schlaf), kühlere und dunklere Jahreszeit ist für das Wohlbefinden von Vorteil, sowie eine Begleitperson (mit oder ohne gleichzeitigem Eingriff). Wir haben eine Bestätigung auf Englisch erhalten, dass wir ab sofort keine Augenkorrektur mehr benötigen (als Beilage für den Führerausweis) – diese sollte ansonsten unbedingt verlangt werden.

Frisch gelasert, ging es bereits einen Tag nach der OP in die Istanbuler Innenstadt, wo uns unser „Reisebesuch“ erwartete. Wir freuten uns riesig! Nadine und Domi hatten sich für einige Tage ein Airbnb in der Hauptstadt gemietet und warteten vor einem Restaurant auf uns. In den darauf folgenden Tagen genossen wir die türkische Küche, besuchten diverse Sehenswürdigkeiten, machten eine Schiffsfahrt auf dem Bosporus, besuchten die blaue Moschee und diverse Bazare, amüsierten uns über den Städtetrubel und wurden unzählige Male mit «hello friend» angesprochen, „genossen“ die halsbrecherischen Taxifahrten und hatten sehr viel zu lachen. 

Über den Besuch haben wir uns beide sehr gefreut und haben die Zeit unheimlich genossen. 

Fazit der sechsten Etappe:

Wenn man Taxis in Istanbul nutzen möchte, kann man deren Preise für eine Strecke sehr einfach in Google Maps oder der Uber-App anzeigen lassen und sollte als Tourist immer darauf bestehen (und ansonsten besser auf das nächste Taxi warten), dass der Taximeter eingeschaltet und zurückgestellt wird (danke Selcan für den Tipp). Mit diesem Vorgehen waren für uns die Taxis das perfekte, günstige und einfachste Fortbewegungsmittel (40 Minuten bis 1.5 h ins Stadtzentrum für umgerechnet knapp CHF 15.00-20.00). 

Damit wir auch mit den Taxifahrern kommunizieren und etwas über Land und Leute erfahren konnten, half uns Google Translator weiter. Dank der App konnte das Gesagte auf Türkisch direkt aufgenommen und auf Deutsch/Englisch übersetzt werden und umgekehrt. Englisch kann hier praktisch niemand. 

Mit seinen rund 16 Millionen Einwohner (doppelt so viel wie im uns bekannten London) ist Istanbul für uns ein extremer Kontrast, da wir bisher auf unserer Reise eher die Natur gesucht haben. Dennoch würden wir jedem einen Städtetrip hierhin empfehlen.