Im Land der Pickup's
10. Mai - 21. Mai 2023
Der Grenzübertritt nach Griechenland verlief unspektakulärer als auch schon. Die Weiterreise führte uns durch unzählige Olivenhainen an schönen (aktuell noch fast leeren) Stränden entlang. In der Nähe von Patras besuchten wir einen wunderschönen Pinienwald direkt am Meer, welcher uns Claudia und Markus (siehe letzter Blogbeitrag) empfohlen hatten.
Wir übernachteten zwei Nächte an Sandstränden, wie wir sie früher nur aus Hochglanzmagazinen kannten. Dabei gefiel uns der zweite besonders. Vor Ort fanden wir heraus, dass dieser für die hohe Population an Meeresschildkröten bekannt ist. Obschon wir (aufgrund des Fahrzeuges) ohne Probleme hätten an den Strand fahren können, haben wir dies bewusst unterlassen, da die Schildkröten zum Teil bereits erste Eier gelegt hatten und wir so sonst allenfalls einige Nester hätten gefährden können. Da aktuell noch keine „Schlüpfzeit“ ist, blieb uns nichts anderes übrig, als die Tiere im Meer zu suchen. Dank unserer Drohne konnten wir auch einigen vom Strand aus beim Schwimmen zuschauen.
Ausserdem haben wir an diesem Spot das erste Mal unser „Terrässli“ in Betrieb genommen. Nicht nur wir fanden es super cool, sondern auch ein älterer Mann aus Belgien, welcher plötzlich neben Gregy stand und uns von unten her seine Digitalkamera entgegenstreckte. Er war es, der das bezaubernde „Terrässli“-Foto von uns geschossen hat. Merci beaucoup pour la jolie photo!
Nun wurde es aber wieder Zeit für einen 4×4-Stellplatz. Am südlichsten Punkt des „linkten Fingers“ von Peloponnes wurden wir schliesslich fündig. Es war das erste Mal, wo wir mit Gregy einen Steinstrand befuhren. Dabei waren wir uns bis am nächsten Morgen nicht ganz sicher, ob dies eine gute Idee war. Denn die Gefahr war gross, dass wir uns selbst in den Steinen festfahren. Doch Gregy, unser kleines Berggeisslein, meisterte das Verlassen des Platzes mit Bravour. Somit konnten gewisse bärtige Mitreisende ohne Grund nicht richtig entspannen und den Platz geniessen – welch Luxusprobleme wir doch haben.
Nach den tausenden Olivenbäumen und Werbungen für Olivenöle, wollten wir es genau wissen. Wir buchten eine private Tour auf einer Olivenplantage (Familienbetrieb) wo uns der Anbau und die Verarbeitung von Oliven erklärt wurde. Da diese jedoch erst am nächsten Tag durchgeführt wurde, verbrachten wir einen entspannten Aufenthalt an einem Strand in der Nähe von Kalamata und genossen die Sonne.
Die gemütliche Tour am nächsten Tag startete bei Ben Olive Mill. Als Erstes ging es in die Olivenhaine. Schnell lernten wir, dass es in Kalamata zwei bekannte Oliven-Arten gibt. Eine (grössere) Speiseolive und eine (kleinere), welche zur Ölproduktion verwendet wird. Erstere werden vom Olivenbaum gepflückt, einige sogar von zuvor abgeschnittenen Ästen. Anschliessend werden die Früchte mindestens sechs Wochen in Salzwasser gelagert, bevor sie in diesem weiterverkauft werden.
Die Speiseöloliven werden mit Carbonstangen mittels elektronischem Aufsatz vom Baum geklopft und in einem Tuch aufgefangen. Anschliessend werden Sie gewaschen, mit einem schnell rotierenden Edelstahlkolben (inkl. Steine) zermatscht, die „Paste“ geknetet und schlussendlich in einer Zentrifuge, welche wie eine CNC-Maschine aufgebaut ist, zentrifugiert. Die Fliehkraft trennt das Öl von der Maische. Die übrig gebliebene Maische wird zu Pellets für die Heizung weiterverarbeitet, während das Öl direkt abgefüllt wird. Premium Olivenöl wird nie in Plastikflaschen in Supermärkten verkauft, sondern immer in dunklen Glasflaschen, damit das Öl vor Licht geschützt ist. Ausserdem löst das Öl die meisten Plastiksorten auf.
Während der Tour konnte ausserdem ein grosses Fragezeichen von Dorian geklärt werden: Sehr viele Griechen fahren Pickups. Diese sehen jedoch alle aus, als wären sie tiefer gelegt worden und hatten zudem keinen Allradantrieb (was für uns keinen Sinn machte, wenn man ein solches Offroad-Fahrzeug kauft). Unser Guide erklärte uns, dass dies tatsächlich so gemacht werde, da die Olivenbauern nach der Ernte, ihre Oliven nicht hoch oben auf einen Pickups laden wollen, sondern den Kraftaufwand möglichst gering gehalten werden soll. Ausserdem ist es einfacher mit einem niedrigen Fahrzeug unter den tief hängenden Ästen der Olivenbäume hindurchzufahren.
Take-away für Geniesser: Kalamata Oliven sind wie beispielsweise der Begriff des Champagners geschützt. Der Begriff „extra virgin“ darf nur verwendet werden, wenn die Oliven ohne Pestizide (Bio) angebaut werden und bei der Verarbeitung weder erhitzt noch speziell gefiltert werden. Virgin Öl hingegen wird im Vergleich dazu erhitzt. Ausserdem müssen die Oliven auch gewissen Qualitätsanforderungen entsprechen.
Die Kalamata Oliven machen 50 % der Produktion auf Peloponnes aus, wobei es sich um 13 Mio. Bäume handelt. Einige von ihnen sind über 1000 Jahre alt. Einer der Olivenbäume von „Bens Olive Mill“ hat uns besonders fasziniert. Er hatte vier einzelne Stämme, da er vor Jahren von einem Blitz getroffen wurde und sich aber wieder regenerieren konnte. Unter dem Schatten des Baumes genossen wir die Stille und den schönen Ort. Unser Guide erklärte, dass sich die Bäume auch nach Waldbränden meist wieder erholen, es mache mehr Sinn diese weiter wachsen zu lassen, als neue zu pflanzen.
Nach der Tour durften wir eine Degustation durchführen. Dabei konnten wir beide eindeutig herausschmecken, bei welchem Öl es sich um „Billigöl“, virgin Öl oder extra virgin Öl handelte.
An der Kalogria Beach (mittlerer Finger von Peloponnes) haben wir eine Tauchschule gefunden (Dive Code), welche bereits geöffnet hatte. Wir wollten nach der Corona bedingten Durststrecke, endlich wieder einmal die Unterwasserwelt erkunden. Mit George, unserem Tauchlehrer, machten wir zwei Tauchgänge in der Bucht. Nebst den vielen Feuerfischen und einem Kugelfisch haben uns die riesigen Süsswasserquellen am meisten beeindruckt. Durch die Vermischung von Süss- und Salzwasser entsteht spezieller, sehr nebelartiger Film im Wasser. Zudem hinterliess die grösste dieser Quellen einen riesigen Krater im Boden, der mehr als 20 Meter tief war.
Auf uns wartete nun der östlichste Finger. Dort war es unser Ziel, den Geheimtipp (Insel mit karibikartigem Strand) zu finden. Die Insel Elafonisos haben wir schlussendlich nach einer rund 5-minütigen Fahrt mit der Fähre erreicht. Uns wurde nicht zu viel versprochen – kurz: Es hat sich sehr gelohnt und die sprechen wohl für sich. Falls jemand noch auf der Suche nach einem privaten Feriendomizil mit Meereszugang ist: auf der Insel hatte es mehrere Grundstücke zum Verkauf. Wir wären durchaus bereit, euch einmal zu besuchen.
Die Weiterfahrt in Richtung Norden führte uns durch schöne Gebirge in Abwechslung mit dem Blick aufs Meer. Nebst Ziegen und Schafen begegneten wir auf dem Weg auch einigen Schildkröten und Schlangen.
Wir wollten in Delft die Ausgrabungsstätten besichtigen, welche uns bereits mehrmals von anderen Reisenden empfohlen wurde.
Auf dem Weg dorthin, legten wir eine kurze, ungeplante Pause ein. Drei Löschflugzeuge übten in der Nähe des Korinth-Kanals das Befüllen und Entleeren ihres Wassertanks. Imposant flogen die Propellerflugzeuge sehr tief und in Formation an uns vorbei.
Die antike Ausgrabungsstätte von Delfi wohl in jedem Reiseführer. Uns beeindruckte vor allem die Bauart der alten Mauern und die Genauigkeit der verarbeiteten Steine. Wir fragten uns, wo das Wissen von damals wohl geblieben ist – uns scheint, als sei viel Wissen in der Zwischenzeit verloren gegangen.
Über perfekt ausgebauten Autobahnen führte uns unser Weg weiter in Richtung Türkei. Dabei stellten wir fest, dass wir den „perfekten“ Zeitpunkt für eine lange Autobahnfahrt ausgewählt hatten. Am Wochenende vom 20. + 21. Mai 2023 waren die Mautstellen nämlich alle geöffnet und die Autobahnen kostenfrei aufgrund der Wahlen in Griechenland.
Fazit der fünften Etappe:
Das Griechenland wunderschöne Strände hat, ist wohl allseits bekannt. Im Osten Griechenlands haben wir aber festgestellt, dass es auch wunderschöne Berglandschaften gibt, welche wir bestimmt zu einem späteren Zeitpunkt (ev. bei der Heimreise) noch genauer bereisen möchten.
Das soziale Gefälle scheint, zumindest auf den ersten Blick, nicht so gross wie beispielsweise in Albanien erkennbar zu sein. Wir sahen beispielsweise praktisch keine protzigen Autos – sondern vielmehr coole alte, verrauchte Pickups.




























































