Unser Geheimtipp

21. - 28. April 2023

Next Stop: Montenegro. Von Kroatien haben wir jedoch erstmal erneut die Grenze zu Bosnien überschritten, da wir noch Trebinje besuchen wollten. Auch dies war eine Empfehlung der beiden Schweizer Armeeangehörigen, welche wir in Mostar getroffen hatten.

Trebinje ist im Vergleich zu Mostar kleiner und weniger hektisch. Die hübsche Altstadt war für unser bosnisches Mittagessen genau richtig. Wir konnten ein paar schöne Stunden in der Sonne geniessen. Ausser den unzähligen einladenden Restaurants haben wir jedoch in der Stadt nicht viel mehr gefunden, weshalb wir uns ein paar Stunden später dazu entschieden nun die Grenze zu Montenegro zu passieren.

Wir steuerten unseren nächsten 4×4 Schlafplatz an, welcher in einer Bucht in der Nähe von Kotor (ca. 30 Minuten entfernt) war. Die Küstenstrasse dort hin war traumhaft schön. Die letzten rund 3 km führten über einen Offroad-Weg, wo einige Park4Night User bereits Kommentare wie „wir mussten von der Feuerwehr herausgezogen werden“ hinterliessen – dies war genau unser Ding! Mit etwas Vorsicht war die Hinunterfahrt jedoch kein Problem. Wir hatten jedoch bereits geahnt, dass es am nächsten Tag bei der Fahrt aus der Bucht heraus, etwas „abenteuerlicher“ werden könnte.

Belohnt wurden wir mit einer verlassenen Bucht, direkt am Meer, wo wir bei einem kühlen Bier den Sonnenuntergang geniessen konnten.

Nach einer erholsamen Nacht ging es mit Untersetzung und 4×4 fuhr Ramona die steile Zufahrtsstrasse hoch. Nachdem die Räder 2-3 Mal durchgedreht sind (aufgrund fehlender Differenzialsperre) konnte der Abschnitt dank der guten Wegwahl von Dorian gemeistert werden.

Vor uns wartete eine längere Autofahrt, da wir unbedingt einen uns empfohlenen Pass (P14 vom Piva Canyon nach Kpaj) befahren wollten. Von dort aus sollte die Reise weiter nach Serbien gehen. Leider mussten wir auf halber Strecke umkehren, da dieser aufgrund Schnee noch geschlossen war. Beim runter Fahren begegneten wir einem Motorradfahrer mit einem Luzerner Kennzeichen und wollten ihn auf die geschlossene Passstrasse aufmerksam machen. Da dieser jedoch wohl nicht damit gerechnet hatte, an diesem Ort Schweizer zu treffen (und auch noch seinen Helm auf dem Kopf hatte) meinte er (nach zwei versuchen von uns, die Erklärung auf Schweizerdeutsch zu machen) nur etwas verwirrt: „sörri, englisch isch better“ – weshalb wir ihm das Ganze noch einmal auf Englisch erklärten und selber ziemlich verwirrt waren. Verstanden hatte er uns jedoch schlussendlich.

Der Piva Canyon war zwar sehr schön, jedoch waren überall Felsbrocken auf der Strasse. Unsere Motivation war dementsprechend gross, diese Stellen schnell zu passieren. Am Ende des Canyon haben wir dann einen schönen Schlafplatz an der Nähe des Wassers gefunden. Auch hier waren jedoch in der Nacht herunterfallende Felsbrocken zu hören, was unsere Befürchtungen bestätigten – an unserem Platz fühlten wir uns aber sicher.  

Beim Verlassen unseres Schlafplatzes winkte uns freundlich ein älterer Herr zu, welcher mit seinem Töffli und einer Schaufel die kleineren Steine vom Weg räumte.

Da aufgrund der gesperrten Passstrasse kein Grenzübertritt nach Serbien möglich war, führte uns unsere Route noch einmal über Bosnien Herzegowina.

Serbien haben wir somit von Visegrad aus erreicht. Das erste kleine Dorf nach der Grenze (Mokka Gora) sowie der Tara Nationalpark haben uns komplett „geflasht“. Wunderschöne Holzhäuschen, atemberaubende Natur und unglaublich freundliche Menschen haben uns begrüsst. Auf der gemütlichen Suche nach einem geeigneten Schlafplatz auf dem Tara kam uns ein Auto mit serbischem Kennzeichen entgegen, welches neben uns anhielt. Zaklina, eine sehr freundliche Frau, begrüsste uns auf Schweizerdeutsch. Sie wuchs in der Schweiz auf, lebt jedoch mittlerweile seit einigen Jahren wieder in Serbien. Nach einem kurzen Gespräch zeigte sie uns einen sehr abgelegenen und mystischen Schlafplatz, schenkte uns ein Teil von ihrem frisch gepflückten Bärlauch und gab uns diverse Tipps für unsere Reise durch Serbien. 

Einer davon haben wir bereits am Tag darauf befolgt und spazierten zum Aussichtspunkt Banjska Stena, wo wir zwei Russinnen kennenlernten. Die beiden waren via Autostopp und Couch-Surfing unterwegs und fragten uns, ob wir sie nicht mit dem Auto ins 6 km entfernte Dorf mitnehmen könnten. Dies haben wir gerne gemacht und hatten einige interessante Gespräche auf dem Rückweg zum Auto. Bei unserem nächsten Tankstopp versuchten wir eine serbische SIM-Karte mit Guthaben zu kaufen und verwenden – was uns beide ziemlich forderte, da unsere Prepaid Zeiten schon einige Jahre zurückliegen und wir der serbischen Sprache nicht gewachsen sind. Dank Google Lens-App (Übersetzung via Kamera in Echtzeit), haben wir es am Schluss dennoch geschafft. 

Während unseres verzweifelten Versuchs, die SIM-Karte in Betrieb zu nehmen, stand plötzlich ein junger Mann vor unserem Auto und grinste. Es war „Vlad“, welcher mächtig Freude an Gregy hatte, obwohl er selber einen Ford Raptor fuhr, welcher doch etwas mehr Prestige mit sich bringt :). Er erklärte uns, dass er mit seinen Freunden am Wochenende jeweils auch gerne Campen geht und jeweils Offroad-Plätze sucht. Einer davon (in einem Skigebiet) haben wir gleich besucht.

Zaklina, die wir am ersten Tag in Serbien getroffen haben, hatte uns den Uvac Canyon empfohlen. Vor uns stand eine schöne, rund 10 km lange Wanderung dem Canyon entlang. Als Abschluss haben wir sogar das erste Mal in unserem Leben Adler gesehen – grossartig und majestätisch! Und wurden mit einem Regenbogen belohnt. 

Es war an der Zeit, wieder einmal unsere Kleider zu waschen. Da es aber in Serbien nicht gerade viele Campingplätze gibt, geschweige denn solche, welche bereits geöffnet haben, mussten wir uns nach Waschsalons umsehen (was es auch nicht gerade wie Sand am Meer gibt). Dank Park4Night wurden wir in Nis fündig (7 Kilo konnten wir für umgerechnet CHF 14.00 waschen, trocknen, bügeln und zusammenlegen lassen). Die Nacht in Nis haben wir an einem „sehr speziellen“ Ort verbracht. Nämlich auf einem Truck Stop! Eigentlich wollten wir hier nur duschen. Aber das Personal war so nett und die Duschen so sauber, dass wir uns nach dem wir unsere Bäuche bei einem ausgezeichneten Abendessen in der Stadt (Restaurant Dagi Plus —> Lammspezialitäten aller Art) vollgeschlagen hatten (siehe Fotos – Vorspeise, Hauptgang, Dessert sowie zwei Bier und zwei Wasser für umgerechnet knapp CHF 23.00 für zwei Personen), dazu entschlossen, beim Truck Stop zu übernachten. Wir wollten uns unter die Trucker mischen und genehmigen uns zur Verdauung des sehr grossen Znacht noch ein Bier.

Plötzlich stand der Kellner mit zwei Teller und Besteck vor uns und meinte, dass sein Arbeitgeber uns Essen spendieren möchte… Ziemlich geschockt wollten wir ihn stoppen, jedoch war das Essen in der Küche bereits in der Vorbereitung. Wir wussten nicht einmal, wer der Chef des Truck-Stops überhaupt ist und mussten zuerst beim Kellner nachfragen. Der nette Herr sass direkt hinter uns und genehmigte sich mit zwei Kollegen ein Bier.

Da wir nicht wussten, was uns erwartete, hofften wir, dass es etwas sehr Kleines ist – wobei uns jedoch bereits bewusst war, dass Trucker sich auch nicht mit einem Lady’s Cut zufriedengeben würden.

So kam der Kellner einige Zeit später mit zwei weiteren Bieren, welche auch vom Chef offeriert seien und brachte uns zwei Teller. Einmal gefüllt mit „Pouletflügeli“ und einmal mit speziell gewürzten und gebratenen Brotstücken (ähnlich wie „Chnoblibrot“, aber mit paprikaähnlichen Gewürzen). Nun hiess es: Ran an den Speck oder besser gesagt an die „Pouletflügeli“ und die „Brotstückchen“ (siehe Foto). Köstlich war das Essen – keine Frage, aber unsere „Ränzli“ wurden immer runder und schmerzten schon fast 🙂 – gefreut über diese Geste haben wir uns aber natürlich sehr!

Bevor wir weiter über Kosovo nach Albanien reisen wollten, zog es uns noch in die Devil Town (ebenfalls eine Empfehlung von Zaklina, vielen Dank). Dabei handelt es sich um Steine, welche auf von Wind kreierten Säulen stehen. Unsere Meinung nach, ist dies ein weiteres „Must See“ von Serbien, welches sich wohl in den kommenden Jahren zu einem Tourismusmagnet entwickeln wird.

Im Kosovo wollten wir unbedingt den Bären Sanctuary von „vier Pfoten“ besuchen. Alle Bären die in diesem Park leben, wurden aus Gefangenschaft (meist in kleinen Käfigen als Attraktionen bei Restaurants im Kosovo und Albanien) gerettet. Wir waren sehr beeindruckt von der Umsetzung dieses Projektes. In allen Belangen, wurden sich sehr gute Überlegungen gemacht, wie das Tierwohl sowie der Blick auf die Umwelt und der Umgang mit der Natur, hier bestmöglich berücksichtigt werden kann.

Vor den einzelnen extrem grosszügigen Gehegen (mit Höhlen, diversen Bäumen, Wasserbecken, Spielmöglichkeiten) war ein kurzer Steckbrief der einzelnen Bären. So sah man, wie sie vor der Rettung gehalten wurden und aussahen, seit wann sie im Park sind und wie sich der physische und psychische Zustand seither verändert haben. Kurz: wie bei Menschen, ist es auch bei Tieren sehr unterschiedlich, wie sie mit solchen Traumata umgehen. Wir waren sehr beeindruckt und finden dieses Projekt extrem unterstützenswert. Im parkeigenen Restaurant konnten wir ausserdem ein sehr leckeres und „extrem günstiges“ Mittagessen geniessen.

Leider hatten wir den extrem positiven Eindruck des Bärenparks nicht auch vom restlichen Land. Unser ständiger Begleiter war einmal mehr die unermesslichen Mengen an Müll, welche auf den Feldern, den Strassenränder oder in den Flussbecken lagen. Ausserdem waren die Menschen unserer Meinung nach viel verschlossener und weniger gastfreundlich als noch in Serbien.

Wir freuen uns nur auf unser „Abenteuer Albanien“ und sind gespannt, was uns erwartet.

Fazit der dritten Etappe:

Serbien ist (zum Glück für uns) noch keine Touristenhochburg und in unseren Augen stellenweise ein Geheimtipp. Die Menschen sind extrem offen und herzlich (noch extremer als in Bosnien). Die Natur ist (abgesehen der nicht vorhandenen Müllverbrennungsanlagen) atemberaubend.